Martin zu Ehren: Das Gansl-Essen als Racheakt

Noch 1.623 Jahre nach dem Begräbnis des Heiligen Martin von Tours ( am 11. November 397) isst man in Österreich zu seinen Ehren das traditionelle “Martinigansl”. Auch zahlreiche andere Bräuche prägen den Martinstag in Mitteleuropa bis heute. Im Burgenland ist der Heilige Martin der Landespatron, damit ist der 11. November dort ein Feiertag, und die Burgenländerinnen und Burgenländer haben ausreichend Zeit, sich dem Festschmaus hinzugeben.

Verrat durch Schnattern

Ursprungsgeschichten zur Martinsgans gibt es viele. Mancherorts erzählt man sich zum Beispiel folgende Anekdote: Entgegen dem Willen von Martin von Tours und trotz Vorbehalts des Klerus drängte das Volk von Tours darauf, Martin zum Bischof zu weihen. Asketisch und bescheiden, wie er sein Leben führte, hielt er sich unwürdig für solch ein hohes Amt und habe sich deshalb in einem Gänsestall versteckt. Die Gänse jedoch hätten so aufgeregt geschnattert, dass Martin gefunden wurde und geweiht werden konnte. Damit wäre der Martinischmaus also ein Racheakt – diese Petzen!

Auf den Bischof prosten

Mit der gebratenen Gans sei es aber noch nicht getan – denn wo Speis, dort auch Trank! In vielen burgenländischen Gemeinden hat um den 11. November mittlerweile das “Martiniloben” Tradition. Dieser Lobgesang erfolgt, wie kann es im Burgenland anders sein, in Form des Weinausschanks. Ursprung fand die Tradition im idyllischen Weinort Gols. Dort wurden zu oder um St. Martin die Weinkeller anfangs nur für Weinbauern und Einheimische geöffnet um den Jungwein zu verkosten. Hier begann auch um 1997 die touristische Vermarktung. Heute ist das Martiniloben eine viele Gemeinden umfassende Veranstaltung mit bedeutendem touristischem Umsatz.

Ich gehe mit meiner Laterne …

Ein Martinsbrauch, der im Gegensatz zum “Martiniloben” eher die Jüngsten anspricht, ist der Sankt-Martins-Umzug. Bei den Umzügen ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte. Begleitet werden sie häufig von einem auf einem Schimmel sitzenden Reiter, der mit einem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten darstellt. Die Laternen werden oft vorher in Kindergärten gebastelt.

Mit viel Licht, Wein und gebratener Gans droht als dem heiligen Martin von Tours auch 1.500 Jahre nach seinem Ableben nicht die Vergessenheit. Na dann – Mahlzeit!

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Emina Ayaz

Emina Ayaz

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