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Künftige Finanzierungsdynamik in der Altersvorsorge

Kommunalkredit-Chef Alois Steinbichler gab in seinem Impuls einen Einblick in die finanziellen Herausforderungen aufgrund der demografischen Entwicklung.

Meinrad Knapp im Gespräch mit Alois Steinbicher ©event-fotograf/Gemeindebund
Meinrad Knapp im Gespräch mit Alois Steinbicher ©event-fotograf/Gemeindebund

Die Entwicklung der Bevölkerungszahl steigt tendenziell in den nächsten Jahrzehnten. Betrachtet man den Zeitraum zwischen 2015 und 2075, nimmt der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 18 Prozent auf rund 29 Prozent zu. Die Menschen werden immer älter, der Anteil der Nicht-Erwerbstätigen steigt stark an. Bis zum Jahre 2075 verringert sich die Anzahl der Erwerbstätigen in Österreich um rund zehn Prozentpunkte. Durch Entwicklungen wie diese ergeben sich viele neue Herausforderungen: „Wer sind die Bezahler, wer die Bezieher der notwendigen Leistungen? Gibt es Lösungsansätze?“

Besonders die Finanzierung der Pflege und der Pensionen bereitet Kopfzerbrechen. Dabei stellt der Bereich ‚Alter/Pflege‘ einen erheblichen Teil der Sozialausgaben in Österreich dar. 2017 betrugen die Ausgaben für das Alter 46,2 Mrd. Euro und machten dabei 61 Prozent der sozialen Sicherung aus. Von diesen 46,2 Mrd. Euro entfielen 2,1 Mrd. Euro auf ambulante und stationäre Alters- und Pflegedienste (von Bund, Ländern und Gemeinden) und 2,5 Mrd. Euro auf das Pflegegeld für Über-60-/65-Jährige. Im Vergleich: 10 Prozent oder rund 18 Mrd. Euro der Staatsausgaben fließen in die Bildung. Dabei festzuhalten: Hier handelt es sich um die Ausgaben der öffentlichen Hand, nicht um die Gesamtkosten.

Kostenentwicklung und Lösungsansätze

455.000 Personen (rund 5,3 % der Bevölkerung) erhalten gegenwärtig Pflegegeld, Tendenz steigend. 16 Prozent werden in Pflegeheimen betreut, 84 Prozent zu Hause. Betrachtet man die Kostenentwicklung von 2015 bis 2050, lässt sich beim Pflegegeld des Bundes eine Steigerung um 67 Prozent (von derzeit 2,5 Mrd. Euro auf 4,2 Mrd. Euro) und bei den Pflegedienstleistungen eine Steigerung um das 3,6-fache (von derzeit 2,0 Mrd. auf 9,0 Mrd. Euro) feststellen. Eine Prognose wie diese stellt das österreichische Sozialsystem auf eine harte Probe und erfordert passende Maßnahmen, die unsere hohen Pflegestandards auch für zukünftige Generationen gewährleisten können.

Um die zukünftigen Anforderungen an die Pflege und somit auch an den Staat erfüllen zu können, werden auch private Vorsorgen immer mehr an Bedeutung zunehmen. Das Prinzip der Pflegeversicherung besteht darin, dass der Versicherte eine Prämie bezahlt und im Gegenzug Rentenzahlungen erhält, falls er pflegebedürftig wird. Diese Zahlungen können neben dem staatlichen Pflegegeld zur Finanzierung der Pflege verwendet werden. Dabei kann sich die Prämie nach den Pflegestufen ausrichten oder an der Art der Tätigkeiten, die der Betroffene nicht mehr verrichten kann. In Deutschland und der Schweiz ist die Pflegeversicherung schon verpflichtend; ob und wie sich diese Art der Vorsorge in Österreich etablieren wird, ist noch offen.

Der demografische Wandel in den nächsten Jahren stellt sowohl den Bund als auch die Länder und Gemeinden vor große Herausforderungen. Vor allem in finanzieller Hinsicht müssen hier neue Lösungsansätze gefunden werden, um den steigenden Anforderungen gerecht werden zu können. „Gute Antworten können wir nur bekommen, wenn wir einen Maßnahmenmix aus Möglichkeiten gesamthaft vorantreiben.“




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