Deutsche Umfrage schockiert: Angriffe auf Kommunalpolitiker gestiegen

Eine aktuelle Umfrage unter deutschen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern lässt aufhorchen: Die Angriffe auf Kommunalpolitiker haben in der Corona-Pandemie stark zugenommen. Demnach wurden 72 Prozent der Befragten schon einmal beschimpft, bedroht oder sogar tätlich angegriffen. Vor einem Jahr waren es noch 64 Prozent.

Zunahme von Attacken vor allem in kleinen Gemeinden

Auffallend ist dabei, dass es schon lange nicht mehr nur die Großstädte sind, in denen das Klima vergiftet ist. Vor allem in kleineren Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern hat die Zahl der Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen und auch der körperlichen Angriffe deutlich zugenommen. In vielen Regionen erreicht die Hasswelle inzwischen fast die Werte von Großstädten.

Angriffe auch gegen Mitarbeitende

Nicht nur Bürgermeister werden zur Zielscheibe von Frust und Aggression. In fast 80 Prozent der befragten Gemeinden gab es auch Übergriffe gegen Gemeindevertreter oder Mitarbeiter. Ganze 20 Prozent davon wurden schon einmal bespuckt oder geschlagen. Auch die Anzahl der Bürgermeister, die das bereits erleben mussten, hat seit dem vergangenen Jahr zugenommen.

Home Office brachte Angriffe nach Hause

Die Corona-Pandemie hat aggressives Verhalten gegenüber kommunalen Verantwortungsträgern deutlich verstärkt. Dazu kommt, dass aufgrund von Home Office viele der Opfer sogar in ihren privaten Heimen angegriffen wurden.

Im vergangenen Jahr hatten gerade mal ein Prozent der Bürgermeister über Zwischenfälle von Mitarbeitern in deren eigenen vier Wänden berichtet. Der Wert ist nun sprunghaft auf zehn Prozent angestiegen. Hass im Netz spielt dabei eine immer wichtigere Rolle. Die Umfrage wurde von KOMMUNAL Deutschland im Auftrag des ARD-Politmagazins „Report München“ unter 1.611 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern in der Zeit vom 08. bis zum 20. April 2021 durchgeführt.

Ähnlicher Trend in Österreich

Auch hierzulande häufen sich die Berichte über Drohungen und Angriffe gegen Kommunalpolitiker. Zuletzt wurde ein Burgenländer, der dem Bürgermeister von Unterfrauenhaid mit Mord gedroht und eine Gemeindemauer besprüht hatte, zu 18 Monaten Haft verurteilt. Ähnliche Fälle kommen immer wieder ans Licht.

„Es gibt immer Menschen, die sich nicht verstanden fühlen, und das amplifiziert sich natürlich in einer Krisensituation. In Extremfällen kommt es dann zu Grenzüberschreitungen, um Gehör zu finden. So passieren große Kränkungen und Verletzungen“,

betont Vizepräsidentin des Österreichischen Gemeindebundes Sonja Ottenbacher. Sie ist selbst Bürgermeisterin und ausgebildete Psychotherapeutin.

Lokalpolitik ist den Menschen am nächsten – und daher angreifbar

Die Frustration in der Bevölkerung über die Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen ist groß. Sie richtet sich meist an die Politik, und dabei stehen natürlich diejenigen im direkten Kreuzfeuer, die vor Ort die Maßnahmen umsetzen müssen. Das sind die Mitarbeiter in den Gemeindeämtern und Rathäusern.

Das Ergebnis der Umfrage in deutschen Gemeinden ist und bleibt dennoch ein trauriges.

(Quelle: Kommunal.de)

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Eva Schubert

Eva Schubert

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