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HABEN SIE FRAGEN ZU ÖSTERREICHS GEMEINDEN?

Das neue Alt und wie wir damit umgehen

Hilfswerk-Geschäftsführerin Elisabeth Anselm und HumanoCare-Geschäftsführer Julian Hadschieff eröffneten die Kommunalen Sommergespräche mit ihren Keynotes. Was hat es mit der vierten Lebensphase auf sich? Und wohin sollte die Politik eigentlich ihren Fokus richten?

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©event-fotograf/Gemeindebund

Zum Start der wichtigsten Denkwerkstatt der österreichischen Kommunen, den Kommunalen Sommergesprächen in Bad Aussee, stand die Frage nach dem Umgang mit den neuen Alten und dem Älterwerden im Zentrum. Die Geschäftsführerin vom Hilfswerk Österreich, Elisabeth Anselm, und der Geschäftsführer von HumanoCare, Julian Hadschieff, erläuterten ihre Sicht auf dieses Thema. Grundtenor beider Experten war, dass die Herausforderungen, die im Bereich Pflege und Betreuung auf Politik und Gesellschaft zukommen, nicht einfach zu lösen sind. Viel zu lange wurde die Diskussion in Österreich rein über den finanziellen Aspekt geführt, dabei wurde von zu vielen ausgeklammert, dass der Mangel an Pflegepersonal in den nächsten Jahren immer spürbarer wird.

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©event-fotograf/Gemeindebund

Pflege zu Hause

Die meisten Pflegebedürftigen, nämlich 84 Prozent werden zu Hause von Angehörigen versorgt. Etwa 16 Prozent der derzeit 450.000 Pflegegeldbezieher werden in Pflegeheimen gepflegt. Daran erkennt man, dass die Angehörigen die meisten Aufgaben übernehmen. In der öffentlichen Debatte, wird aber allzu oft nur über die Versorgung im Pflegeheim diskutiert, die aber nicht einmal einem Fünftel der Pflegebedürftigen in Betreuung entspricht. Hier brauche es laut Anselm ein Umdenken hin zu mehr Unterstützung für die Angehörigen, die oftmals nur für wenige Stunden in der Woche jemanden benötigen würden, der für wichtige Erledigungen, auf die Angehörigen Acht gibt.

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Thesen fürs neue Älter werden

Elisabeth Anselm stellte ihre praktischen Erfahrungen zum Thema älter werden in den Fokus ihrer Vortrags. Gerade die Frage des Zugangs in die vierte Lebensphase – in die Phase, wo Menschen Unterstützung von anderen brauchen, ist eine große gesellschaftliche Frage, wo es keine Tabuisierung geben darf. „Bei Prävention und sozialer Vorsorge, also der Einbindung ins gesellschaftliche Leben, können Gemeinden einen wichtigen Beitrag leisten. Hier können Ehrenamtliche Unterstützung bieten“, so Anselm. Man müsse außerdem die Ursachen für den Unterstützungsbedarf im Alter differenzierter analysieren, denn der Fokus liegt zu stark bei medizinischen Krankheitsbildern, wohingegen psychisch neurologische Ursachen für Pflege im Alter immer mehr im Vormarsch sind. Heute ist etwa Demenz schon die häufigste Ursache für Pflege im Alter. Bei allen Diskussionen darf man nicht darauf vergessen, dass Pflege ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Jobmotor ist. „Einer Wertschöpfung von 5,8 Milliarden Euro stehen rund 115.000 direkt und indirekt Beschäftigte gegenüber. Bei allen politischen Diskussionen muss auch der Wertschöpfungsfaktor mitgedacht werden“, betonte Anselm.

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Wirksame Offensive im Pflegebereich

Selbst, wenn ausreichend Mittel für die Pflege vorhanden wären, würde das Personal fehlen. Heute können viele Stellen nicht besetzt werden und die Beschäftigten und das System stoßen an ihre Grenzen. „Neben besseren Rahmenbedingungen für die Ausübung des Berufs braucht es eine Ausbildungsoffensive, die den Umstieg in den Pflegebereich erleichtert“, plädiert Anselm für mehr Verständnis für ihre Kolleginnen und Kollegen. Abschließend schlägt sie die Presche für eine echte Pflegereform, die eine nachhaltige und solidarische Finanzierung sicherstellt, eine bedarfsgerechte Versorgungslandschaft garantiert und die Personalnot wirksam bekämpft.

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Pflegevermeidung und Prävention

Julian Hadschieff, unter anderem Geschäftsführer von Humanocare, einem Unternehmen, das zahlreiche Pflegeheime betreibt, plädiert für mehr Eigenverantwortung und Prävention. Diese Themen gehen aus seiner Sicht bei der ganzen Debatte um Pflegeregress und Co. unter. Dabei könnten mehr gesunde Lebensjahre den Bedarf an Pflege im Alter reduzieren und das System gerade, wenn die Generation der Babyboomer ins höhere Alter kommt, entlasten. Auch digitale Hilfsmittel können Pflegepersonal und Angehörige in Zukunft stärker entlasten.




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