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HABEN SIE FRAGEN ZU ÖSTERREICHS GEMEINDEN?

Aktives Altern – Aktive Kommunen

Den berühmten Blick über den Tellerrand lieferten die Keynote-Geber des zweiten Tags der Kommunalen Sommergespräche: Roboter-Programmierer Hannes Eilers, Hans-Jörg Rothen von der Bertelsmannstiftung und Genforscher Markus Hengstschläger.

Der zweite Tag der Kommunalen Sommergespräche startete mit einer Podiumsdiskussion zu den demografischen Herausforderungen, die auf Gesellschaft und Gemeinden zukommen. Drei Experten aus unterschiedlichen Bereichen brachten einen Überblick über Zahlen, Daten und Fakten, die Möglichkeiten, die die Digitalisierung ermöglicht und ein spannender Blick in die Zukunft: Hannes Ehlers, Informatiker an der Fachhochschule Kiel und Programmierer des Pflegeroboters Emma, Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik und Hans-Jörg Rothen, Projekt-Manager der Bertelsmann Stiftung.

Impuls-Vortrag von Hannes Eilers (Robotiker der FH Kiel). ©event-fotograf/Gemeindebund
Impuls-Vortrag von Hannes Eilers (Robotiker der FH Kiel). ©event-fotograf/Gemeindebund

Sind Roboter die Lösung?

In den Medien sehen wir immer wieder neue Roboter, die Unterstützung in verschiedensten Bereichen bringen. Gerade in Japan zeigt sich durch die generelle Offenheit für neue Techniken eine spannende Entwicklung. Hannes Eilers, „Vater“ des Roboters Emma, der in Pflegeheimen zum Einsatz kommen könnte, betonte in seinem Impulsvortrag, dass die Robotertechnik zwar auf dem Vormarsch ist, es aber in der Praxis noch viele Herausforderungen gibt, die gar nicht so einfach zu lösen sind. Im Zuge des Forschungs- und Entwicklungsprozesses an seiner Fachhochschule und mit seinem Roboter, hat Hannes Eilers einen praktischen Zugang gewählt und hat in Pflegeeinrichtungen den möglichen Bedarf erhoben und damit seinen Roboter programmiert. Emma soll dabei nicht als Ersatz für Pflegekräfte dienen, sondern vielmehr durch spielerische Funktionen, wie Memory, oder Gedächtnisspiele, die die Kommunikation in den Pflegeheimen anregen sollen. Dabei ist Eilers aber bewusst, dass Roboter bei vielen Menschen Sorgen und Ängste auslösen können. Parallel zum Forschungsprozess hat er sich mit seinem Team auch darauf verständigt, Ideen zu Roboter in der Pflege auch gesellschaftlich zur Diskussion zu stellen.

Impuls-Vortrag von Hans-Jörg Rothen (Bertelsmann Stiftung). ©event-fotograf/Gemeindebund
Impuls-Vortrag von Hans-Jörg Rothen (Bertelsmann Stiftung). ©event-fotograf/Gemeindebund

Gemeinden Altern

Hans-Jörg Rothen von der deutschen Bertelsmann Stiftung erläuterte in seinem Impulsvortrag die Zahlen und Daten rund um Pflege in Deutschland. Dort steht man vor ähnlichen Herausforderungen wie in Österreich. Die Anzahl der über 80-Jährigen wird in Deutschland bis 2050 auf rund 10 Millionen Menschen anwachsen. Auch Kommunen, die heute einen Bevölkerungszuwachs erleben, werden signifikant altern. Gleichzeitig wird auch die Zahl der Erwerbstätigen sinken, die wiederum für das Pflegesystem herausfordernd wird, denn dort sind heute schon 80.000 Stellen unbesetzt. Das wird zu mehr Druck auf die Pflegeheime und die Politik führen, den Pflegedienst weiter zu attraktivieren. Hans-Jörg Rothen plädiert dafür die alternde Kommune mitzugestalten und auf diesem Weg die Bevölkerung intensiv einbinden. Zuerst gelte es Transparenz über die demografische Entwicklung der Kommune herzustellen, ein Leitbild gemeinsam mit den Bürgern zu entwickeln, Netzwerke und Kooperationen aufzubauen, Ehrenamt zu stärken, auf Generationengerechtigkeit zu achten, den interkommunalen Austausch zu nutzen und auch pflegende Angehörige zu entlasten. Mit solchen Projekten hat die Bertelsmann Stiftung schon in einigen Gemeinden in Deutschland einen Leitbild-Prozess begleitet und alternde Kommunen unterstützt.

Impuls-Vortrag von Univ.-Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger (Genetiker Med Uni Wien). ©event-fotograf/Gemeindebund
Impuls-Vortrag von Univ.-Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger (Genetiker Med Uni Wien). ©event-fotograf/Gemeindebund

Altern in Zukunft?

Der Mensch sucht stets den Blick in die Zukunft. Die Politik sucht Zahlen und Daten, um ihr Handeln heute für die Zukunft zu rechtfertigen. Zu diesem Spannungsfeld brachte Genetiker Markus Hengstschläger Gedankenanstöße über das Altern in Zukunft. In den letzten Jahrzehnten konnte die Lebenserwartung durch medizinische Versorgung gesteigert werden. Gleichzeitig sehen wir heute aber auch einen Zuwachs an Erkrankungen, die es so früher in diesem Ausmaß nicht gegeben hat, weil früher eben nicht so viele Menschen alt geworden sind. Die Alterserkrankungen können die Frage, wie alt der Mensch eigentlich werden kann, stark beeinträchtigen. Die medizinische Technik wird zwar weiter Fortschritte machen, man denke an Nano-Technologie, Xeno-Transplantationen oder die Genveränderung von Menschen. Die Eigenverantwortung, der eigene Lebensstil wird aber weiter wichtiger werden. Aktives Altern kann man nicht an den Staat auslagern. Hengstschläger plädiert neben der Eigenverantwortung auf die Vermittlung von Gesundheitskompetenzen, um auf Veränderungen rascher reagieren zu können.

Mehr Mut für die Zukunft

Im Zuge der anschließenden Diskussionen betonten die Experten, dass Gemeinden den Mut haben müssen, die Zukunft des Alterns mitzugestalten. In der Politik werde immer wieder die eine Lösung gesucht, die es aber bei der Frage des aktiven Alterns nicht geben kann. Die Fehlerkultur, neue Ideen zu erproben und Fehler zuzulassen, kann neue Ideen fördern und auch die Chance für Gemeinden sein. Da fast 90 Prozent der Bürger zu Hause alt und später auch gepflegt werden wollen, sind die lokalen und regionalen Akteure gefordert, individuelle Möglichkeiten zu fördern und auch mit Unterstützung von Ehrenamt und Nachbarschaftshilfe zur aktiven Kommune zu werden.

Andreas Steiner – 20.07.2018




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