Bildungschancen am Land deutlich besser

19.4.2016 – Die erste große Statistik über die Neuen Mittelschulen zeigt eines deutlich: Es steigen zwar mehr Schüler in höhere Schulen auf, sie tun sich in der Regel aber etwas schwerer, die Klassen auch zu schaffen. Und eines zeigt sich auch deutlich: Die Qualität der Schulen am Land scheint deutlich besser, als jene der städtischen Schulen.

Ein zwiegespaltenes Bild zeigt die erste umfangreiche Studie der Statistik Austria zu den Effekten der Neuen Mittelschule: Von 100 Schülern der Neuen Mittelschule stiegen im Schuljahr 2012/13 zwar 46 in eine höhere Schule auf, davon schaffen aber nur 32 die erste Klasse. Von der Hauptschule schafften von 100 Kindern nur 39 den Aufstieg in eine höhere Schule.

Schulwechsel aus NMS immer noch schwierig

Im Abschlussjahrgang 2012/13 hatten aber mit Abstand immer noch die Kinder, die die AHS-Unterstufe besucht haben, die besten Aufstiegschancen. 92,6 Prozent der Kinder, die eine AHS-Unterstufe besucht haben, schafften den Aufstieg in eine höhere Schule, 89,2 Prozent dieser Kinder schafften den Aufstieg in die nächste Klasse. Im Vergleich dazu schaffen nur 39,3 Prozent der Hauptschulkinder desselben Abschlusslehrgangs den Aufstieg in eine höhere Schule. Von diesen schafften aber 76,9 Prozent der Kinder den Aufstieg in die nächste Klasse. Bei den neuen Mittelschulen sind 46 Prozent der Kinder in höhere Schulen aufgestiegen, in die nächste Klasse schafften es aber nur 68,9 Prozent.

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(Quelle und Diagramm: Statistik Austria)
Der Bildungsstand hat sich in den letzten 32 Jahren deutlich verändert. Nicht mehr die Menschen mit höchstens Pflichtschulabschluss, sondern jene mit einem Lehrabschluss bilden die größte Gruppe in der Bevölkerung.

Bildungsniveau steigt deutlich an

Grundsätzlich ist die Ausbildung der Eltern immer noch ausschlaggebend für die Schullaufbahn ihrer Kinder. Nur 6,8 Prozent der Kinder mit Eltern, die höchstens einen Pflichtschulabschluss haben, schaffen einen Abschluss einer Universität oder Fachhochschule. Langsam aber stetig steigt das Bildungsniveau an: 1981 waren die 25- bis 64-Jährigen mit höchstens Pflichtschulabschluss noch die größte Gruppe (46%). 2013 sind es nur mehr 19,2 Prozent. Heute sind die 25- bis 64-Jährigen mit einem Lehrabschluss die größte Gruppe (35,1%). Die Zahl hat sich seit 1981 um 4,1 Prozent gesteigert. Die größte Steigerung (+11,6%) gab es aber im Bereich der mittleren und höheren Schulen. Hatten 1981 noch 18,4 Prozent der 25- bis 64-Jährigen höchstens einen Abschluss einer mittleren und höheren Schule, waren es 2013 schon 30 Prozent. Auch die Zahl derer mit Hochschul- oder Akademieabschluss hat sich massiv verbessert: Schafften 1981 noch 4,5 Prozent einen Hochschul- oder Akademieabschluss, waren es 2013 schon 15,7 Prozent (11,2%).

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(Quelle und Diagramm: Statistik Austria)
Die Umstellung auf die Neue Mittelschule hat auch die Gymnasien beliebter gemacht.

Gymnasium so beliebt wie noch nie

Was die offiziellen Berichte nicht ins Licht rücken, ist die Tatsache, dass gleichzeitig mit der Umstellung auf die Neuen Mittelschulen auch die Gymnasien deutlich an Schülerzahlen zugelegt haben. Besuchten im Jahr 2008/09, als die Neue Mittelschule eingeführt wurde, noch 33,2 Prozent der Schüler eine AHS-Unterstufe, so steigerte sich die Zahl bis ins Schuljahr 2014/15 auf 34,5 Prozent. Das ist ein historischer Höchststand. Zum Vergleich: Besuchten 2008/09 63,7 Prozent der Kinder eine Neue Mittelschule oder Hauptschule, so sind es 2014/15 nur mehr 61,3 Prozent.

Es zeigt sich auch, dass die Neue Mittelschule für Schüler mit nichtdeutscher Umgangssprache nicht den Zugang zu höherer Bildung zwangsläufig sichert. Der Besuch der Neuen Mittelschule erleichtert Schülern mit nichtdeutscher Umgangssprache zwar deutlich den Aufstieg in eine BHS, schneidet jedoch im Vergleich zur Hauptschule schlechter bei jenen ab, die von der NMS in eine BMS wechseln wollen. Auch der Aufstieg in die AHS-Oberstufe hat sich durch die Neue Mittelschule etwas erleichtert. Hier schaffen 9,7 Prozent der NMS-Schüler mit deutscher (8,6% HS) und sieben Prozent der NMS-Schüler mit nichtdeutscher Umgangssprache (6,3% HS) den Umstieg.

Ein bevorzugter Bildungsweg führt aber immer noch in die Polytechnischen Schulen, obwohl der Anteil auch bei Kindern mit nichtdeutscher Umgangssprache immer geringer wird. Ein Viertel der Kinder mit nichtdeutscher Umgangssprache, die eine NMS abgeschlossen haben, gingen 2014/15 weiter in eine Polytechnische Schule. Bei den Hauptschülern waren es 29,7 Prozent. Zum Vergleich: Bei Kindern mit deutscher Umgangssprache wählten nur 22 Prozent der NMS-Schüler und 24,9 Prozent der Hauptschüler diesen Weg.

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(Quelle und Diagramm: Statistik Austria)
Schüler mit nichtdeutscher Umgangssprache haben im Vergleich zur Hauptschule in der Neuen Mittelschule bessere Aufstiegschancen.

Höchste Abbrecherraten bei NMS-Herkunft

Bedenklich ist die Tatsache, dass es die meisten Schulabbrecher bei denen gibt, die eine Neue Mittelschule besucht haben. 2,7 Prozent der NMS-Absolventen, die anschließend in ein Gymnasium gehen, brechen ihre Schulausbildung ab. Bei denen, die von einer Hauptschule kommen, sind es zwei Prozent, bei jenen die bereits die Unterstufe des Gymnasiums besucht haben, sind es 1,2 Prozent. Ähnlich hoch sind die Zahlen der Schulabbrecher bei den NMS-Schülern, die fortführend in eine BHS gewechselt sind. 2,4 Prozent brechen hier die Schule ab, aber nur 1,5 Prozent der Hauptschüler und nur 0,9 Prozent derer, die eine AHS-Unterstufe besucht haben.

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(Quelle und Diagramm: Statistik Austria)
Schüler der Neuen Mittelschulen tun sich in den höheren Schulen am schwersten.

Bessere Aufstieggschancen am Land

Große Gräben tun sich bei der Qualität der Schulen zwischen Stadt und Land auf. Egal, ob für Kinder mit deutscher oder mit nichtdeutscher Umgangssprache, die Aufstiegschancen die nächste Klasse der höheren Schulen sind für Kinder immer in dünn besiedelten Regionen besser. Für diesen Vergleich hat die Statistik Austria das Schuljahr 2013/14 näher untersucht. Grundsätzlich liegen in allen Vergleichen die Gymnasien deutlich vorne. Schaffen 91,6 Prozent der Gymnasiasten mit deutscher Umgangssprache im ländlichen Bereich den Aufstieg in die nächste Klasse der höheren Schule, sind es in der Stadt nur 89,3 Prozent.

Interessante Unterschiede gibt es auch beim Blick auf die Hauptschulen und Neuen Mittelschulen. Im dicht besiedelten Gebiet ist der Besuch einer Neuen Mittelschule ein leichter Startvorteil. Hier schaffen 63,7 Prozent der Kinder mit deutscher Umgangssprache den Aufstieg in die nächste Klasse der höheren Schule, während es bei jenen, die aus der Hauptschule kommen, nur 62,2 Prozent sind. In allen anderen Fällen haben die Hauptschulen immer noch die Nase vorn. So schaffen Kinder mit nichtdeutscher Umgangssprache, die aus der Neuen Mittelschule im dicht besiedelten Gebiet kommen, nur zu 53,1 Prozent den Aufstieg in die nächste Klasse der höheren Schule, während es bei jenen, die aus der Hauptschule kommen, immerhin noch 59 Prozent sind. Im mittel besiedelten Gebiet schaffen 71,3 der ehemaligen NMS-Schüler mit deutscher Sprache und 76,4 Prozent der Hauptschüler den Aufstieg in die nächste Klasse und im dünn besiedelten Gebiet sind es 78,8 Prozent bei NMS und 82 Prozent bei Hauptschülern – immer noch ein Unterschied von vier Prozent.

Schüler mit nichtdeutscher Umgangssprache tun sich am Land offenbar deutlich leichter als in der Stadt. Schaffen in der Stadt 53,1 Prozent der ehemaligen NMS-Schüler den Aufstieg in die zweite Klasse der höheren Schule, sind es am Land 72,3 Prozent.

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(Quelle und Diagramm: Statistik Austria)
Am Land haben Schüler egal welchen Typs die besten Bildungschancen.
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Das Bildungsniveau wird immer noch vererbt. Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. (Quelle und Diagramm: Statistik Austria)

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