Wenigzell: Wirtschaftsimpuls durch “Superfood”

14.3.2017 – Unbelastete Natur kann auch ein Wirtschaftsfaktor sein. Im steirischen Wenigzell werden sekundäre Pflanzenstoffe für die Industrie erforscht, damit rund zehn Arbeitsplätze für Akademiker geschaffen und die lokale Landwirtschaft gestärkt.

Sanddorn, Holunder, Heidelbeeren und regionale Kräuter – was bei uns schon jahrzehntelang wächst, könnte das Superfood der Zukunft sein. Welchen Nutzen unsere regionalen Pflanzen haben können, wird seit 8. März 2017 in der 1.400-Einwohner-Gemeinde Wenigzell erforscht. In der ländlich geprägten Region werden durch dieses neue Naturstofflabor sekundäre Pflanzenstoffe extrahiert und für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie aufbereitet.

Forschung sichert auch Bauern ihre Lebensgrundlage

Im oststeirischen Joglland sprießen Österreichs größte Sanddorngärten. Die gelb-orangen Früchte gelten wegen ihres hohen Vitamin-C-Gehalts als Superfood und werden schon bisher zu Tee und anderen Produkten, etwa zur Behandlung von chronischen Atemwegserkrankungen, verarbeitet. Die Besonderheit der steirischen Sanddornfrüchte ergibt sich daraus, dass sie in hohen Lagen angebaut werden und sich durch die geologische Beschaffenheit des sandigen Bodens, die vielen Sonnenstunden und die Kälte eine besondere Qualität ergibt.

Neben dem Sanddorn gilt auch der Holunder als eine besonders in der Steiermark weitverbreitete Nutzpflanze. In der Steiermark liegt das weltweit größte Anbaugebiet. Besonders der Farbstoff Anthocyane wird etwa nach Italien zur Herstellung von Lippenstift oder als Farbe für die Produktion von Gummi-Süßigkeiten exportiert. Keine andere bekannte Frucht hat einen höheren Gehalt an diesem roten Farbstoff.

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©Harald Klemm
Günther Holzer hat die leerstehende Volksschule für 300.000 Euro als Labor eingerichtet.

Leerstehende Gebäude für neues Labor genutzt

Mit dem neuen Labor unter der Leitung von Günther Holzer sollen unter anderem Sanddorn, “Holler”, Heidelbeeren und regionale Kräuter von Experten in Kooperation mit der Technischen Universität Graz erforscht werden, um hochwertige Öle und Fettsäuren zu gewinnen. Zudem will man die sekundären Pflanzenwirkstoffe für die Industrie entwickeln. Der Standort wurde bewusst am Land gewählt, um der Region einen Wirtschaftsimpuls zu geben und der Abwanderung etwas besser entgegenzuwirken. Die Forscher werden mit spezialisierten lokalen Unternehmen und den Landwirten kooperieren, um eine neue regionale Wertschöpfungskette zu schaffen.

Für das neue Labor wurde die leerstehende Volksschule in Wenigzell adaptiert und um 300.000 Euro eingerichtet. Finanziert hat das Günther Holzer mit den Gewinnen aus seinem Ingenieurbüro für Verfahrenstechnik. Nach drei Jahren will man schwarze Zahlen schreiben, sagte er auf APA-Anfrage. Gesucht werden nun weitere Kunden, die Forschungsaufträge erteilen.

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Das Naturstofflabor soll Wenigzell neue wirtschaftliche Chancen eröffnen. Der Standort wurde bewusst am Land gewählt. ©Harald Klemm

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