Shared Space: Die Zukunft der Begegnungszone

4.11.2014 – Die ersten Konzepte rund um das “Shared-Spaces”-Modell und die Idee der Begegnungszone wurden vor rund fünf Jahren in den Gemeinden Thalgau in Salzburg und dem steirischen Gleinstätten spruchreif. Seither hat sich viel getan.

Immer mehr Gemeinden zeigen sich angetan vom Modell der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer, von der Barrierefreiheit zwischen Fahrbahn und Gehsteig und von der gemeinsamen Nutzung der Verkehrsflächen – Faktoren, die das Konzept der Begegnungszone mithilfe von ausreichend Aufmerksamkeit und gegenseitiger Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer in sich vereint.

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Bild: ZVG
Der Gleinstättner Bürgermeister, Gottfried Schober, wies darauf hin, dass die baulichen Mängel, die mittlerweile behoben werden konnten, der Sinnhaftigkeit des innovativen Verkehrskonzepts keinen Abbruch tun.

Pilotprojekt nach Schwierigkeiten wieder am richtigen Weg

Die Gemeinde Gleinstätten in der Steiermark war die erste in Österreich, welche das originelle Verkehrskonzept umsetzte. Nach einer reibungslosen Startphase, stand man in der 1.500 Einwohner umfassenden Gemeinde jedoch nach knapp zwei Jahren vor einem durch Baumängel hervorgerufenen Problem. Der Streckenabschnitt musste aufgrund der baufällig gewordenen Betonplatten saniert und durch eine gelb farbige Betonfahrbahn ersetzt werden. Doch seitdem ist die Begegnungszone wieder für Fußgänger, Radfahrer und Autolenker einwandfrei nutzbar.

“Natürlich war das für die Anrainer eine kritische Phase, als nach knapp zwei Jahren erneut eine Sanierung anstand,” erzählt der Gleinstättener Bürgermeister Gottfried Schober und ergänzt: “Man darf dabei aber nicht vergessen, dass die baulichen Mängel überhaupt nichts mit der Philosophie zu tun haben, die hinter dem Konzept der Begegnungszone steckt.” Und die Idee dahinter, die werde immer noch gut bei der Bevölkerung angenommen.

“Miteinander statt gegeneinander” erhöht Lebensqualität in Thalgau

Die erste Begegnungszone Salzburgs wurde in der Gemeinde Thalgau eröffnet und auch hier ist der Zuspruch der Bevölkerung groß. “Miteinander statt gegeneinander – lautet das Motto und bringt für alle nachhaltig mehr Lebensqualität”, so der ehemalige Vizebürgermeister John Grubinger. Manche Autolenker hätten sich anfangs ein wenig schwer getan, sich an die veränderte Situation anzupassen, aber ansonsten sei es eigentlich nie zu Schwierigkeiten gekommen, so der Tenor der Thalgauer. Zwei weitere Begegnungszone-Abschnitte sind daher in Planung.

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Bild: ZVG
Ferdinand Vouk, Bürgermeister von Velden und Kärntner Gemeindebundpräsident (links) freut sich neben dem sozialen und ökonomischen Fortschritt, der mit der Begegnungszone einhergeht, auch über den ästhetischen Charakter des Projekts.

Velden: “Ein sozialer und auch ökonomischer Fortschritt”

Als Erfolg in sozialer wie auch ökonomischer Hinsicht kann die im Mai 2014 eröffnete Begegnungszone im Ortszentrum der Kärntner Gemeinde Velden verbucht werden. Trotz der Vorbehalte und Ressentiments, die es zu Beginn des Bauprojektes gab, zeigt sich Bürgermeister Ferdinand Vouk nun erfreut, dass die Akzeptanz bei der Bevölkerung doch so groß ist. “Viele haben sich das einfach nicht vorstellen können. Es handelte sich hier um eine wirklich vielbefahrene Bundesstraße”, erklärt der Veldener Bürgermeister und Präsident des Kärntner Gemeindebundes.

Von Anfang an ging es darum, das Verkehrsaufkommen zu beruhigen, die Autofahrer jedoch nicht auszugrenzen. Im Zuge der Einführung der Begegnungszone sank die Verkehrsdichte zwar nicht, aber der Verkehr wurde markant entschleunigt. “Die Autofahrer fühlen sich jetzt wie auf einem großen Platz. Es gibt keine Verkehrsschilder, und die Fahrbahn hebt sich in der Begegnungszone aufgrund des rötlichen Asphalts optisch ab. Das verunsichert die Autolenker ein wenig und darum fahren sie langsam und nehmen vermehrt Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer”, erklärt Vouk, der auch die erfolgreiche Info-Kampagne erwähnte, welche es den Bürgern vor allem zu Beginn erleichterte, sich auf der neu gestalteten Verkehrsfläche zurechtzufinden.

Der österreichische Gesetzestext und die Rechte der Fußgänger

Die Anpassung der Straßenverkehrsordnung an die Begegnungszonen erfolgte Anfang des Jahres 2013 und verankerte die Rechte der Fußgänger, die ganze Straße benützen, den Verkehr allerdings nicht mutwillig behindern zu dürfen und die Höchstgeschwindigkeit von 20 bis 30km/h in derartigen Zonen gesetzlich.

Von den Gemeinden wurde die so geschaffene rechtliche Basis begrüßt, während von Seiten der Fußgänger-Interessenvertretung Kritik laut wurde. Denn anders als in anderen europäischen Ländern mit ähnlichen innovativen Verkehrsprojekten ist im österreichischen Gesetzestext der Vorrang der Fußgänger und das Prinzip der Gleichrangigkeit aller Verkehrsteilnehmer nicht enthalten.

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In Velden soll durch die Umsetzung der Begegnungszone den Bürgern Raum zurückgegeben werden. Bild: ZVG

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