Pflegekoordination: So funktioniert Effizienz mit Herz

Mit der Errichtung einer Schnittstelle zwischen Gemeinde und Pflegeeinrichungen traf Christa Tauschek voll ins Schwarze. Ihre Beratungen werden gerne angenommen. Dass Beratungsstellen solcher Art in vielen Gemeinden fehlen, hat auch eine kürzlich präsentierte Studie zur Pflegevorsorge bestätigt.

Eine neue Studie von WIFO, SeneCura und Gemeindebund zeigt, dass es Nachholbedarf bei der Koordination zwischen Bund, Ländern und Gemeinden bei der Pflegevorsorge gibt. Expertinnen und Experten raten zu regionalen Pflegeinformationsstellen für Beratung und Prävention. Nachdem sich auch Gesundheitsminister Rudolf Anschober auf die Studie bezogen und für solche Beratungseinrichtungen ausgesprochen hat, sind die Community Nurses, die ein Teil der kommenden Pflegereform darstellen sollen, in aller Munde. Im Bezirk Baden setzt die Powerfrau Christa Tauschek die Koordination zwischen Gemeinden und Pflegeeinrichtungen bereits vorbildhaft.

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Zu 80 Prozent suchen Christa Tauschek die Angehörigen auf, nicht die Pflegebedürftigen selbst. Vor allem für Berufstätige ist ihre unabhängige und kostenlose Beratung eine enorme Erleichterung. ©Kommunalnet

Pflegelösung suchen wird zur Odyssee

Christa Tauschek ist eine selbsternannte “One-Woman-Show”, ihre beeindruckende Darbietung ist dabei die der Bildung einer Schnittstelle zwischen den Mödlinger Gemeinden und all deren Pflegeinstitutionen und Hilfsmöglichkeiten. “Ich weiß, wer was wirklich braucht, und auch wer genau das anbietet”, so lautet Christa Tauscheks Devise in ihrer Pflege-Betreuungsberatung. Dass sie sich dieses umfangreiche Wissen aneignen musste, dem liegt ihre eigene familiäre Situation zu Grunde.

“Bis zum 82. Lebensjahr war meine Mutter voll aktiv”, erzählt Tauschek – doch dann kam es zum Sturz, Diagnose Beckenbruch. Damit fing Tauscheks zähe Suche nach einer geeigneten Pflegelösung für ihre Eltern an. “Ich war voll berufstätig, das war eine Katastrophe”, erinnert sich die heute 61-Jährige schaudernd zurück. Die intensive Recherche, die stundenlangen Telefonate, das scheinbar unaufhörliche Weiterverbunden-Werden – und zwar nur zwischen acht und zwölf, eine Unmöglichkeit für Angestellte. Das Zusammensuchen aller Anbieter von Pflegeagenturen und Betreuungseinrichtungen war mühsamse Detailarbeit für die Angehörige.

Tausendsassa im Pflegebereich

Tauscheks anfängliches Unglück wurde jedoch zur großen Chance: Damit sich andere Angehörige diese Odyssee ersparen, gründete Christa Tauschek ihre Pflege-Beratungsstelle. Kostengünstig und nachhaltig sollte es sein, ein möglichst geringer Zeitaufwand für die Angehörigen, mit einem möglichst effizientem Output für die Pflegebedürftigen. Dass sie diesen Anforderungen gerecht wird, zeigt der Erfolg ihres Modells genau. Vor etwa zwei Jahren startete sie ihre Pflegeberatung in Wiener Neudorf, mittlerweile betreut sie alle Gemeinden im niederösterreichischen Bezirk Mödling. Dort kennt sie nicht nur alle Pflegeorganisationen und Agenturen, sondern auch deren Leiterinnen und Leiter persönlich, ist mit den Damen und Herren von der Bezirkshauptmannschaft, Abteilung Soziales, per Du, und hat für jede und jeden binnen eines einzigen Tages die ideale Pflegelösung parat.

Klient steht im Mittelpunkt

Vom Essen auf Rädern und Taxidiensten bis hin zur 24-Stunden-Betreuung, über jegliche Kosten und Förderungsmöglichkeiten sowie Info-Material zu Patientenverfügungen und Ansprechpersonen zu Erwachsenenschutzgesetzen: Über all das und mehr weiß Christa Tauschek Bescheid und klärt auf. In vier Gemeinden, Wiener Neudorf, Guntramsdorf, Pfaffstetten und Vösendorf, steht sie dafür in regelmäßigen Abständen mit ihren Sprechstunden am Gemeindeamt zur Verfügung, aus allen anderen Mödlinger Gemeinden ist sie rasch und zuverlässig per Betreuungs-Hotline telefonisch erreichbar. Wichtig ist Tauschek auch ihre Unabhängigkeit zu betonen: “Ich bekomme keine Vermittlerprovisionen von Einrichtungen. Bei mir steht der Klient im Mittelpunkt.”

Bedarf nach mehr Gemeinde-Pflege-Schnittstellen

Für die Angehörigen und Pflegebedürftigen selbst ist das alles kostenlos. Ihr Honorar von 40 Euro die Stunde bekommt sie von den Gemeinden, die ihre Dienste in Anspruch nehmen. Seit ihrem Start im Oktober 2017 führte Tauschek über 300 Beratungsgespräche durch, das Interesse an ihrem Modell der umliegenden Gemeinden ist ungebrochen. “Meine Vision wäre es, in jedem Bezirk so eine Schnittstelle zwischen Gemeinde und Pflegeorganisationen zu installieren”, so Tauschek. Ausbildung gibt es dafür keine, doch um den Bedarf zu decken, will Tauschek auch selbst Interessierte coachen. Bei all dem unermüdlichen Engagement der 61-Jährigen im “Unruhestand” bleibt aber auch ihr Enthusiasmus zu helfen nicht auf der Strecke. Liest man also auf ihrer Broschüre “Ich bin gerne für Sie da”, so glaubt man ihr gern.

Kontaktdaten
Christa Tauschek
0681/81 70 9161
christa.tauschek.pbb(at)gmail.com

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Emina Ayaz

Emina Ayaz

2050 wird es in Österreichs Gemeinden zwei bis drei Mal so viele Über-85-Jährige geben als heute. Die damit verbundenen Herausforderungen werden vor allem auch auf kommunaler Ebene spürbar werden. ©Rike/pixelio.de

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