Wir schaffen Heimat.
Wir gestalten Zukunft.

Nicht umsonst: Wie kann man den Erfolg von sozialen Projekten messen?

Jeder Mensch, der in der Gemeinde aktiv ist, möchte etwas verändern und das Leben der Mitbürgerinnen und Mitbürger auf welche Art auch immer verbessern. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, dass das, was wir tun, Auswirkungen hat – und wenn es noch so lange dauert. Alle, die sich jemals sozial oder politisch engagiert haben, kennen den Frust, an den man unweigerlich stößt, wenn die eigenen Bemühungen kaum etwas zu bewirken scheinen. Doch wie kann man überhaupt überprüfen, ob das, was wir tun, langfristig irgendwelche Konsequenzen hat?

Bleiben ältere Personen länger in das gesellschaftliche Leben eingebunden, können sie sich ein soziales Netzwerk aufbauen und bleiben länger eigenständig. ©Zeitpolster GmbH
Bleiben ältere Personen länger in das gesellschaftliche Leben eingebunden, können sie sich ein soziales Netzwerk aufbauen und bleiben länger eigenständig. ©Zeitpolster GmbH

Dieser Frage hat sich der Verein Zeitpolster gewidmet und einen sogenannten Wirkungsbericht ausgearbeitet, der veranschaulicht, wie einzelne Handlungen langfristig zu Veränderung führen. Das Thema Gesellschaftliche Wirkung (auf Neudeutsch „Social Impact“) beschäftigt sich mit den verschiedenen gesellschaftlichen Zielen, die wir uns setzen und wie wir Veränderung messen können. Manche Projekte sind besser greifbar und zeigen schon nach kurzer Zeit eine Wirkung. Andere wiederum sind nicht sofort sichtbar und wirken daher auf den ersten Blick unerreichbar. Da geht es beispielsweise um die Betreuung älterer Menschen, die Altersarmut, soziale Ungleichheit oder ökologische Herausforderungen. Gesellschaftliche Wirkung setzt dabei an der Ursachenbekämpfung an – manche Dinge, wie etwa den demografischen Wandel können wir nicht ändern, an der Solidarität mit und dem Bild von älteren Menschen können wir hingegen sehr wohl arbeiten. Auch Fallen für Altersarmut können wir ändern.

Ältere Personen ins Gemeindeleben integrieren

Am Beispiel Pflege lässt sich gesellschaftliche Wirkung besonders gut zeichnen: Wir leben in einem Land, in dem die Gesundheitsinstitutionen gut ausgebaut sind. Natürlich gibt es auch hier immer wieder etwas zu verbessern, aber vielmehr muss an den Ursachen für die Lücke in der Betreuung von Menschen gearbeitet werden. Durch präventive Maßnahmen wie beispielsweise Bewegungsparcours, attraktive Naherholungsgebiete, Stärkung der Eigenständigkeit oder Unterstützung des Potentials vor Ort in Vereinen und Initiativen kann man die Resilienz älterer Personen stärken, gleichzeitig führt eine bessere Integration älterer Menschen in das gesellschaftliche Leben zu einem Umdenken beim Thema Armut und Alter. Armut und soziale Teilhabe hängen oft direkt zusammen.

Wenn eine ältere Person beispielsweise nach Pensionsantritt weiter in das gesellschaftliche Leben integriert wird – in generationenübergreifenden Projekten mitarbeitet, von Vereinen aktiv angesprochen wird und nach dem Ende der Erwerbstätigkeit weiter in Diskussionen eingebunden bleibt – kann sich die Person ein besseres soziales Netz aufbauen und auch die Haltung Jüngerer gegenüber Pensionierten oder Älteren verändert sich zum Besseren.

Positive Auswirkungen auf Lebensumfeld in der Gemeinde

Die meisten gesellschaftlichen Ziele beinhalten ein attraktives, friedliches Zusammenleben in einer intakten Umwelt. Auch in der Kommunalpolitik sind diese Ziele meist leitend für verschiedene Maßnahmen und Projekte. Mit der Arbeit an diesen erhöht sich die Lebensqualität aller. Die Gemeinden werden lebendig erhalten und bei allen unterschiedlichen Interessen und auch Interessenskonflikten auf lokaler Ebene gibt es gemeinsame Ziele, die für alle attraktiv sind und an denen eine gemeinsame Ausrichtung stattfinden kann.

Der oder die Einzelne kann in unterschiedlichen Themenbereichen einen wichtigen Beitrag zur Erreichung gesellschaftlicher Ziele leisten. Es gibt also für alle ein Thema, für das zu engagieren es sich lohnt, das Sinn macht.

Wie kann eine Gemeinde gesellschaftliche Wirkung erzielen?

Gemeinden legen meist Entwicklungs- und Strategiepläne für die nächsten Jahre fest. Eine wichtige Orientierungshilfe bei der Festsetzung der Gemeindeziele sind die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen – die SDGs. Im Rahmen der Agenda 2030 haben viele Städte und Gemeinden diese in ihre örtlichen Pläne integriert. Doch auch über die Gemeindevertretung hinaus ist es hilfreich, die Ziele zu kennen und gemeinsam zu diskutieren. Sich gemeinsam auf Zukunftsvisionen zu einigen, ist ein erster Schritt zur Entwicklung eines Wirkungsmodels in der Gemeinde.

Dann braucht es auch Mut zur Lücke, oder anders gesagt, einen guten Umsetzungsplan mit einem abgestuften Zeitplan – denn nicht alle diese Ziele können gleichzeitig Priorität haben. Oft geht es nicht so sehr darum, dass neue Programme oder Projekte entstehen. Das ist vor allem für die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger nicht so einfach. Viel zielführender ist es, vorhandene Netzwerke zu stärken und mit allen Fachkräften gemeinsam zu überlegen, wie die Wirkung eines Programmes oder Projektes verbessert werden kann.

Wie kann man gesellschaftliche Wirkung messen?

Eine Möglichkeit, den Erfolg von Maßnahmen zu messen, ist eine Umfrage unter den Beteiligten nach der Auswirkung der Maßnahme auf deren Alltag. Bei gesellschaftlicher Wirkung geht es um längerfristige Ziele. Die Kriterien, woran diese gemessen werden soll, müssen aber am Beginn überlegt werden, damit entsprechende Messungen vorbereitet werden oder parallel zum Projekt eingeführt werden können. Oft eignen sich gezielte Umfragen zu den Lebensumständen aber auch die Anzahl der Wohnungsbeihilfebeziehenden, Mindestpensionen etc. können aufschlussreiche Indikatoren sein.

Oftmals gibt es bereits bestehende Netzwerke in der Gemeinde – die gilt es zu stärken. ©Zeitpolster GmbH
Oftmals gibt es bereits bestehende Netzwerke in der Gemeinde – die gilt es zu stärken. ©Zeitpolster GmbH

Erst wenn klar ist, welche Indikatoren beobachtet werden sollen, führt dies zur Maßnahmenplanung. Die Kunst ist nicht, neue Projekte ins Leben zu rufen, sondern den Überblick zu bewahren, was es in der Gemeinde gibt und gemeinsam die vielversprechendsten Maßnahmen umzusetzen. Für die Maßnahmen werden Ziele und Meilensteine definiert, so kann fortlaufend ausgewertet werden, was funktioniert und wo nachgebessert werden sollte.

„Es geht nicht darum, als einzelne Gemeinde die Gesellschaft zu verändern. Die Frage ist, zu welcher gesellschaftlichen Veränderung können bzw. möchten wir einen Beitrag leisten und wie sieht dieser aus?“ – Sabine Jochum-Müller von Zeitpolster.

Gesellschaftlicher Wandel zielt häufig auf Verhaltensänderungen und Änderungen der Strukturen ab. Es sind unsere akzeptierten Werte und daraus resultierende soziale Normen, die bewerten, welche Veränderungen für wünschenswert erachtet werden.

Erwünschte Wirkungen können in unterschiedlichen Bereichen erzielt werden: kulturell, politisch, sozial, ökonomisch, ökologisch oder psychisch und physiologisch. Eine weitere Einordnung kann über die Strukturebene erfolgen. Wirkungen für einzelne Personen wie beispielsweise der Erhalt der Eigenständigkeit oder gesteigertes Selbstwertgefühl sind auf der Mikroebene, die durch deren Auswirkungen auf Gesundheitskosten wieder Auswirkungen auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene haben.

Eine ältere Person gewinnt durch stärkere Einbindung in das Gemeindeleben mehr Selbstbewusstsein und kann sich besser Hilfe im eigenen Netzwerk organisieren. Dabei fühlt sie sich weiterhin eigenständig und selbstverantwortlich. Sie benötigt daher keine oder erst viel später eine 24-Stunden-Betreuung und kann länger eigenständig im eigenen Heim wohnen. Soziale und finanzielle Kosten für die Angehörigen, das Gesundheitssystem und die Pflegeeinrichtungen vor Ort sinken.

Zwei Phasen bei der Umsetzung von Wirkungszielen

Bei Wirkungszielen in der Gemeinde gibt es zwei Phasen:

1. Wirkungsziele entwickeln: Welche Gruppe könnte die Erstellung von Wirkungszielen in die Hand nehmen? Wer hat Lust sich hier einzuarbeiten, wem ist es ein Anliegen, wer hat Wissen zu diesem Thema? Gegebenenfalls braucht es externes Know-how. Wen sollte man in die Erstellung der Wirkungsziele darüber hinaus einbinden? Wann wird wohin berichtet? Wer kann was entscheiden? Es braucht also einen klaren Projektplan für die Erstellung der Wirkungsziele mit klarem Auftrag seitens der Gemeinde.

2. Wirkungsziele erreichen: Kontinuierlich bei allen Programmen und Projekten darauf hinweisen, welches gesellschaftliche Wirkungsziel dahintersteht, und um welche kleine oder größere Veränderung es geht.

So erstellen Sie Ihren Wirkungsbericht

Um die Gemeindeziele und die dafür gesetzten Maßnahmen im Auge zu behalten, eignet sich ein Wirkungsbericht. Dieser dokumentiert die laufenden Projekte und hilft, den Aufwand dafür zu legitimieren. Für Wirkungsberichte setzen sich immer mehr die Social Reporting Standards, kurz SRS durch. Der SRS ist kostenlos zugänglich und bildet in wenigen Seiten die Eckdaten zur Organisation und Finanzen als auch Informationen über erreichte Wirkungen, Angebote und Zielgruppen ab. Nähere Informationen unter: https://www.wirkung-lernen.de/wirkung-verbessern/berichten/social-reporting-standard

Alternatives Betreuungsmodell schafft gesellschaftliche Stütze für Ältere

Der Verein Zeitpolster hat sich intensiv mit gesellschaftlicher Wirkung auseinandergesetzt. Zeitpolster ist eine Alternative zu herkömmlichen Modellen der Altersbetreuung und funktioniert über ein Gutstunden-System. Die freiwilligen Helfer erhalten für ihren Betreuungseinsatz kein Geld, sondern Stunden gutgeschrieben. Diese werden über die Organisation erfasst und können später bei eigenem Bedarf eingelöst werden. All jene, die selbst noch keine Stunden angespart haben, entlohnen die Betreuung mit acht Euro pro Stunde. Die Betreuungsleistungen sind sehr unterschiedlicher Natur: Rasenmähen, kurzfristiges Einspringen für pflegende Angehörige oder einfach nur Zeit mit einsamen Personen verbringen. Der Verein bietet Gemeinden Unterstützung, eine lokale Zeitpolstergruppe aufzubauen und stellt die notwendige Infrastruktur zur Verfügung.

Zeitpolster bietet ein alternatives Modell zum herkömmlichen Betreuungssystem. ©Zeitpolster GmbH
Zeitpolster bietet ein alternatives Modell zum herkömmlichen Betreuungssystem. ©Zeitpolster GmbH

Vor allem für solche sozialen Initiativen, wo man nicht sofort die Auswirkungen sieht, ist das Thema des langfristigen Wandels relevant. Zeitpolster konzentriert sich daher in seinem Wirken auf die SDGs. Die gesellschaftlichen Wirkungsziele von Zeitpolster lauten:

  • Lokale Betreuungs- und Vorsorgenetzwerke tragen zur Gesundheitsvorsorge, Milderung von Altersarmut und zur Eindämmung von Vereinsamung bei.
  • Unabhängig von der familiären und finanziellen Situation kann die eigene Vorsorge für Betreuung auch im Alter aktiv gestaltet werden.
  • Es ist einfach, selbstbestimmt lokale und kostengünstige Betreuung in Anspruch zu nehmen.
  • Durch gute Kooperation zwischen Organisationen profitieren Betroffene durch passende und ausreichende Betreuungsangebote.

 

Mit Zeitpolster können beispielsweise in der Region stabile Netzwerke für Betreuung aufgebaut werden und alle können auch noch in der Pension einen Beitrag für die eigene Vorsorge – Zeitvorsorge für Betreuung – leisten, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten. Dabei werden nachbarschaftliche Netzwerke gestärkt. Gemeinden erhalten dadurch ein zusätzliches Angebot für die Bürgerinnen und Bürger, die Unterstützung im Alltag brauchen. Eine aktive Zeitpolstergruppe in der Gemeinde fördert den Zusammenhalt und gibt Menschen, die sich sozial engagieren möchten, einen Rahmen.

Steigender Betreuungsbedarf erfordert gesellschaftlichen Zusammenhalt

Der Bedarf an Betreuung wird in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Sehr viel an Betreuungsleistung und auch Pflege wird nach wie vor in den Familien erbracht. Dies wertzuschätzen und zu unterstützen, braucht ein Netz an ergänzenden Maßnahmen. Die erweiterte Nachbarschaft zu aktivieren und einen lebendigen Zusammenhalt in der Gemeinde zu fördern, hat Zeitpolster sich als Ziel gesetzt. Dafür bietet Zeitpolster ein rechtlich abgeklärtes Modell, das nun Gemeinden und den bestehenden Organisationen in der Gemeinde zur Verfügung steht. Gesellschaftlicher Wandel beginnt mit sozialem Engagement.

Print Friendly, PDF & Email
Eva Schubert

Eva Schubert

Österreichischer Gemeindebund
Löwelstraße 6, 1010 Wien
Tel.: +43 (1) 5121480
Fax: +43 (1) 5121480 – 72
E-Mail: office@gemeindebund.gv.at