Gute Vorzeichen für kommunales Bauen

Ganz generell ist der Wirtschaftszweig „Bau“ besser durch die Krise gekommen als die meisten anderen Sparten. So verzeichnete die Bauwirtschaft 2020 coronabedingt einen Rückgang um 2,8 Prozent, die Einbußen waren deutlich geringer als in der österreichischen Gesamtwirtschaft (–7,3 Prozent). Doch während manche Probleme gleich geblieben sind, hat die Digitalisierung in anderen Bereichen für einen Aufwind gesorgt.

Das Kommunalinvestitionsgesetz hat großen Anteil daran, dass die Bauwirtschaft unter dem Strich nicht so schlecht dasteht. Hunderte Gemeinden haben die Chancen des KIG genutzt.

Zwei Beispiele: In der Traunviertler Gemeinde Pinsdorf wird die Volksschule saniert und ausgebaut. „Die Grundsubstanz in dem 1957 errichteten Gebäude ist sehr gut“, sagt der Leiter der Buchhaltung, Daniel Steinmair, „aber nach so langer Zeit ist nun einmal eine grundlegende Renovierung nötig.“ Die Erweiterung der Schule ist deswegen erforderlich, weil in den letzten Jahren viele Wohnungen errichtet wurden und Familien in den Ort gezogen sind.

Der Nachteil dieser an sich erfreulichen Entwicklung: „Wir haben zu wenig Platz in der Schule“, stellt Amtsleiter Steinmair fest. Daher wird der bestehende Bau um ein Stockwerk erweitert. Das Projekt wird mit 417.000 Euro gefördert. Erste Finanzierungspläne wurden erstellt, das Projekt wird nun in einen Nachtrag-Voranschlag eingebaut. Auch Gespräche mit der oberösterreichischen Landesregierung laufen bereits.

In Kirchberg am Wechsel (Niederösterreich) wiederum stand in unmittelbarer Nähe des Hauptplatzes ein altes Hotel leer. „Das Gebäude ist im klassischen Stil aus der Zeit um 1900 erbaut und schon alleine deshalb erhaltenswert“, erzählt Bürgermeister Willibald Fuchs. Mit der Förderung von 263.000 Euro werden dort nun statt der Fremdenzimmer zehn Wohneinheiten eingebaut. „Damit wird nicht nur ein ansonsten dem Verfall preisgegebenes Objekt gerettet, das Projekt trägt auch zur Belebung des Ortszentrums bei. Besonders erfreulich ist, dass dort Hauptwohnsitzer einziehen werden“, freut sich Bürgermeister Fuchs. Zwei Beispiele also für den „Bau-Willen“ der Gemeinden.

Kein Licht ohne Schatten in der Bauwirtschaft

Die Gemeinden wollen bauen, der Bedarf ist gegeben und die Nachfrage ist auch da. Ebenfalls ein Resultat der Krise: Wohnen am Land ist gefragt wie nie, wovon etliche Erhebungen der Immobilienbranche zeugen.

Die Schattenseite ist die, dass die Preise für die Rohstoffe immer mehr steigen (die Holzkosten sollen um bis zu 60 Prozent steigen, wie der steirische Holzbau-Landesinnungsmeister Oskar Beer laut einem Bericht auf ORF.at meldet), weil die Produktion im vergangenen Jahr stellenweise deutlich zurückgefahren wurde. Und die zweite Schattenseite ist die, dass „am Bau“ die Leute fehlen. Das Resultat ist, dass Bauvorhaben teurer werden – die Kostenvoranschläge stimmen teils nicht mehr – und dass Bauvorhaben nicht zeitgerecht begonnen werden können. Eine Katastrophe, wenn man eine Schule oder einen Kindergarten bauen oder renovieren will.

Diese Entwicklung ist im Fluss – noch ist nicht abzuschätzen, wie die Auswirkungen schlussendlich aussehen werden.

Positiv ist, dass – eine weitere Auswirkung der Corona-Krise – der Grad der Digitalisierung gestiegen ist. Nicht nur Vermessungen sind dadurch beispielsweise schneller und genauer möglich. Und einer der großen Wünsche der Baubranche wird auch erfüllt. Baubewilligungen werden durch die fortschreitende Digitalisierung der Gemeinden ebenfalls deutlich schneller erteilt als früher.

Bleibt abzuwarten, ob sich einer der Wünsche der Rohstoffbranche erfüllt: die schnellere Bewilligung neuer Lagerstätten durch Gemeinden und Länder.

Digitale Vermessung der Kommune

Auch in der Vermessung hat Corona für einen Digitalisierungsschub gesorgt und den Trend zur digitalen Vermessungstechnik verstärkt. Damit werden auch jene Daten geliefert, die im Rahmen von Building Information Modeling (BIM) benötigt werden – sowohl im Neubau zur Baubegleitung als auch für die Erfassung des Gebäudebestands zur optimalen Betreibung der Immobilie.

Ziel der baubegleitenden Vermessung ist es, die korrekte Ausführung der Bauarbeiten zu gewährleisten, sozusagen eine Qualitätskontrolle durchzuführen. Kontrollmessungen bringen Abweichungen zutage, die – zu spät erkannt – zu erheblichen Projektverzögerungen führen würden. Immer öfter kommt es aber zu Sanierungen, Lückenverbauungen oder Abriss und Neubau. Gerade in diesem Bereich spielt die Bestandsdatenerfassung mittels Scanning eine immer größere Rolle, denn oft fehlen verlässliche Bestandspläne beziehungsweise Daten der Umgebung, die Grundlage für Sanierungsarbeiten oder eben den Neubau im Bestand sind.

3D-Laserscanner liefern schnell und einfach Daten für räumliche Gebäudemodelle. Moderne Geräte erfassen in einem Arbeitsgang sämtliche sichtbaren Strukturen der Bausubstanz dreidimensional. Mehrfachmessungen vor Ort sind damit überflüssig. Typisches Einsatzgebiet ist die energetische Sanierung. Nach der Demontage der alten Fassadenverkleidung liefert der Scan die exakten Maße des Rohbaus, die Grundlage für die neuen Fassadenelemente sind. Mit den Scandaten lassen sich auch neue Fensterelemente maßgenau fertigen und in die Gebäudestruktur einfügen.

Laserscanner liefern auch jene dreidimensionalen Informationen, mit denen fotorealistische Gebäudemodelle erzeugt werden können, die als Grundlage für Entscheidungen der Stakeholder dienen.

Einsatz im Infrastrukturbau

Eine funktionierende Infrastruktur ist der Schlüssel für die Leistungsfähigkeit einer Kommune. Bauliche Installationen der Grundversorgung dürfen nicht versagen. Immer öfter werden 3D-Scanning-Werkzeuge eingesetzt, um detaillierte As-Built-Daten beispielsweise für Kanalbau und -sanierung zu liefern. Die Vermessung erfolgt berührungslos ohne Einstieg in die Schächte, wodurch Sicherungsmaßnahmen und lange Verkehrsbehinderungen überflüssig werden. Regelmäßige Inspektionen gewährleisten, dass Tiefbauobjekte Jahrzehnte ohne Ausfall überdauern.

Mikroklima im Griff

Ein relativ junges Einsatzgebiet ist das thermografische Screening von Gebäuden und Plätzen mit dem Ziel einer thermischen Umweltanalyse. Auf diese Weise werden etwa städtische Wärmeinseln lokalisiert, denen baulich entgegengesteuert werden kann.

Bislang basieren die Simulationsverfahren für das Stadtklima meist auf Daten aus einem groben Netz von stationären In-situ-Messstationen. Um lokale Bedingungen in und um Gebäude abzuleiten, ist es aber notwendig, mikroklimatische Einheiten – also mehrere Gebäude und die Umgebung – zu erfassen. Wirksame Verbesserungsmaßnahmen im Rahmen der Stadtplanung setzen jedenfalls eine detaillierte digitale Erfassung des Ist-Zustands voraus.

Drohnen im Anflug auf die Baustellen

Zur Unterstützung in der Landschaftsvermessung werden seit einiger Zeit Drohnen eingesetzt. „Fliegende Kameras“ erstellen Oberflächenmodelle von Steinbrüchen, Deponien oder anderen großflächigen oder komplizierten Geländeformen. Der Laserstrahl tastet die Gelände­oberfläche ab, ermittelt dabei auch die Distanz zwischen dem erfassten Punkt und dem Sensor und errechnet so die Höheninformation. Die Drohne mit 3D-Laserscan ergänzt somit die terrestrische Vermessung. Werden die Technologien intelligent kombiniert, können sämtliche Straßen, Wege, Gebäude, Dachflächen, Grundstücksgrenzen, Kanaldeckel oder Leuchtmittel erfasst werden.

Mittels drohnenbasierter Geomagnetik wiederum lassen sich Störkörper, etwa verborgene Kampfmittel oder Altlasten, auffinden, die bei geplanten Bauvorhaben zu Gefahren für Mensch und Natur werden könnten.

Wenn es um die Weiterentwicklung von kommunalen Vorhaben geht, dann ist der digitale Zwilling eine gute Entscheidungsgrundlage. Neu gestaltete Plätze können virtuell in die bestehende Um­gebung eingebettet werden. Die hohe Präzision des Laserscans erlaubt es im idealen Fall, auch gleich Pläne für die Projektumsetzung abzuleiten, etwa Lage- oder Höhenpläne.

Die Daten können auch als Basis für GIS-Anwendungen, beispielsweise Katasterdaten, dienen oder für die Ausarbeitung von Hochwasser-Gefahrenzonenplänen herangezogen werden.

Blick in die Zukunft der kommunalen Bauwirtschaft

Vermessungen mittels Drohnen gehören heute bei fortschrittlichen Unternehmen unterschiedlicher Branchen bereits zum Alltag. Neu ist nun das Livestreaming von Drohnen.

Unabhängig vom jeweiligen Standort und vom individuellen Gerät können Projektteams zeitgleich Aufgaben aus der Ferne, wie zum Beispiel Inspektionen und Vermessungen, durchführen und parallel im Dialog stehen. Durch das kollaborative Arbeiten ergibt sich eine weitere Zeitersparnis, denn alle Projektbeteiligten haben die Informationen von der Drohne direkt live verfügbar und können sofort gemeinsam Entscheidungen treffen.

Ein mögliches Einsatzgebiet ist die Inspektion von Infrastruktur in entlegenen oder schwer zugänglichen Gebieten. Dabei bedient eine Fachkraft die Drohne, während die andere die Infrastruktur-Einrichtung direkt über den Livestream am Display begutachtet. Dies spart nicht nur einiges an Zeit, sondern reduziert auch so manches Gefahrenpotenzial.

Hans Braun und Sabina Müller-Hofstetter (Kommunal)

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