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Greisberger: „30 Jahre sind genug“

Allen, die sich für (kommunale) Verkehrspolitik interessieren, wird Martin Greisberger ein Begriff sein. Er ist noch bis Anfang Juli 2018 Bürgermeister der Salzburger Gemeinde Thalgau, die beim Thema Begegnungszone Vorbild für viele Gemeinden ist.

Pionier in der Verkehrspolitik

Bereits 2007 wurde in der Gemeinde ein eigenes Modell nach Schweizer Vorbild konstruiert und in mehreren Etappen umgesetzt. Fahrbahnmarkierungen wie Zebra- oder Mittelstreifen wurden entfernt und das gesamte Ortsgebiet wurde zur Tempo-30-Zone erklärt. Damit konnte das Verkehrssystem in Thalgau nachhaltig verändert werden.

Martin Greisberger lag das Projekt sehr am Herzen und als Ortsoberhaupt stand er den Bürger/innen mit Rat und Tat zur Seite. Für sein beherztes Engagement wurde er von einigen belächelt, wovon er sich aber nicht beirren ließ.

Dass er nun am 3. Juli 2018 als Thalgauer Bürgermeister zurücktritt ist zwar seit längerem bekannt, aber trotzdem für viele in der Gemeinde nicht vorstellbar. Seine Nachfolge wird John Grubinger, von 2009 bis 2014 Vizebürgermeister von Thalgau, übernehmen. Er war auch schon intensiv in die Errichtung der Begegnungszone involviert.

14 Jahre lang Bürgermeister

Martin Greisberger begann seine politische Karriere im Salzburger Bauernbund. Seit 1990 war er Ortsbauer, seit 1999 Bezirksobmann des Bauernbundes und seit 2000 war er Obmann der Bezirksbauernkammer. Das Jahr 1999 markiert außerdem Greisbergers Einstieg in die Gemeindevertretung. Das Amt des Bürgermeisters hat er seit 2004 inne.

Nach drei Amtsperioden ist Schluss

„Seit meinem 18. Lebensjahr bin ich in der politischen Öffentlichkeitsarbeit tätig und jetzt bin ich in meiner dritten Amtsperiode als Bürgermeister. Das ist genug“, erklärt der 51-Jährige bestimmt den Grund für seinen Rücktritt. Bürgermeisterwahlen stehen in Salzburg eigentlich erst im März 2019 an – innerhalb eines Jahres vor diesem Termin kann ein Bürgermeisterwechsel aber ohne Wahlgang stattfinden.

Dass er wieder gewählt werden würde, ist gut möglich. Zumindest wenn man sich die Wahlergebnisse der letzten Jahre anschaut. Während er 2004 nur hauchdünn mit 14 Stimmen Vorsprung den Sieg holte, stimmten 2009 und 2014 mehr als zwei Drittel für den gelernten Kupferschmied.

Keine bedingungslose Unterstützung für den Querdenker

Diese Unterstützung ist allerdings nicht immer bedingungslos. Der Querdenker ist mit dem ein oder anderen Projekt schon des Öfteren an Grenzen gestoßen, auch an parteiinterne.

Das Projekt Regionalstadtbahn Salzburg-Bayern-Oberösterreich (RSB) ist ein Beispiel dafür. Greisberger ist Obmann des Vereins, der das groß angelegte Verkehrsprojekt in Salzburg fördert. Ziel ist die Ausweitung des Salzburger Öffi-Netzes. Ein oberirdisches Schienennetz, das die Region überziehen soll, wäre die Wunschvorstellung des Vereins. Greisbergers Engagement in diesem Bereich wurde von vielen kritisiert.

Firma mit seinem Nachfolger

Sein Interesse für die Verkehrspolitik kommt aber nicht von irgendwo, hauptberuflich betreibt der Noch-Bürgermeister eine Verkehrsberatungsfirma. Und zwar mit niemand geringerem als mit seinem designierten Nachfolger John Grubinger. Seine Erfahrungen in diesem Bereich fließen dabei auch in die Kommunalpolitik ein, das sieht man auch an der Errichtung der Begegnungszone.

Rückkehr in Kommunalpolitik unwahrscheinlich

Weitere Projekte, die unter Bürgermeister Greisberger umgesetzt wurden, sind der „integrale Hochwasserschutz“, der Umbau von drei Schulen sowie der Bau einer Wasserversorgungsanlage. Bei so viel Tatendrang wäre es nicht überraschend, wenn man den Landwirt auch in Zukunft noch in der Kommunalpolitik wahrnimmt. Das schließt Martin Greisberger aber mit hoher Wahrscheinlichkeit aus: „Zeitlich bin ich auch nach dem Rücktritt voll ausgelastet. Ich konzentriere mich jetzt auf meine Landwirtschaft, mein Restaurant in Thalgau und auf meine Firma.“




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