Wir schaffen Heimat.
Wir gestalten Zukunft.

GOOD-PRACTICE 4: Wir brauchen Sicherheit

Markus Frühauf
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Dass der Strom auch weiterhin aus der Steckdose kommt, ist alles andere als sicher. Auf dem Forum „Wir brauchen Sicherheit“ ging es um die Gefahren eines Blackouts, die sich durch die aktuelle Energiekrise noch einmal erhöht haben. „Wir sind nicht vorbereitet“, lautete der Befund von Herbert Saurugg, Präsident der Gesellschaft für Krisenvorsorge. Die Probleme in der Versorgungssicherheit sind seinen Worten zufolge seit Jahrzehnten absehbar gewesen. Ein Blackout könne länger andauernde Versorgungsunterbrechungen wie zum Beispiel im Abwasserbereich oder bei Lebensmitteln auslösen. Eine unvorbereitete Gesellschaft könne binnen weniger Tage an den Rand des Kollaps gebracht werden. Saurugg sprach sich für den sofortigen Ausbau der Speicherkapazitäten aus, um die Schwankungsanfälligkeiten der Erneuerbaren Energien besser ausgleichen zu können.

Auch Gerhard Christiner, Vorstand der Austrian Power Grid, hält das für notwendig, um mehr Versorgungssicherheit zu schaffen. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch der Ausbau der Stromnetze, um die Energie schneller dorthin zu transportieren, wo sie benötigt werde. Er hielt Saurugg einen zu „dystopischen“ Blick auf die Gefahren eines großflächigen Stromausfalls vor. „Wir sind auf einen möglichen Blackout vorbereitet“, sagte Christiner. Er zeigte sich zuversichtlich, einen solchen Ausfall innerhalb von 13 bis 30 Stunden beheben zu können. Gleichwohl warnte der APG-Vorstand angesichts der dramatisch gestiegenen Strom- und Gaspreise vor einer Mangellage im kommenden Herbst und Winter. Saurugg sprach sogar von einem drohenden Katastrophenwinter.

Auf das Problem der viel zu geringen Speicher- und Netzkapazitäten wies auch Sebastian Firlinger, Chief Risk Officer der Kommunalkredit, hin. Dass der Ausbau viel zu langsam erfolge, liege auch an den schleppenden und durch Klagen von Umweltschützern und anderen Bürgern zusätzlich verzögerten Genehmigungsverfahren. Einen Blackout wirklich planen zu können, hält Firlinger für unmöglich.

Dass ein Blackout in fünf Jahren sehr wahrscheinlich sei, darauf verwies Hans Mayrhofer, Generalsekretär des Ökosozialen Forums. Er berief sich dabei auf eine Schätzung des Bundesheers.

Er warb für kommunale Projekte zur Blackout-Vorsorge. Von einem Ausfall wären alle Versorgungsstrukturen betroffen – von Wasser- und Lebensmittelversorgung bis hin zum Finanzwesen. Auf Hilfe von außen könne man sich dann nicht verlassen, warnte Mayrhofer. Seinen Worten zufolge können die Gemeinden selbst vorsorgen und zudem an die Eigenverantwortung der Haushalte appellieren.