Droht Österreich ein Lockdown-light?

Nach einem verhältnismäßig entspannten Corona-Sommer winkt uns Tag für Tag das Schreckgespenst eines neuerlichen Lockdowns. Der Grund dafür: täglich steigende Corona-Zahlen, regionale Quarantäne-Einschränkungen und EU-weite Reisewarnungen für Österreich. Rund um das Wochenende des Nationalfeiertages erreichten die Zahlen einen Rekordwert von 3.600 Neuinfektionen pro Tag – so hoch lagen die Zahlen nicht einmal zu Beginn des Lockdowns im März 2020.

“Die Ultima-Maßnahme ist ein zweiter Lockdown.” – Bundeskanzler Sebastian Kurz

Aktuell sind 200 Menschen in intensivmedizinischer Betreuung, 650 intensivmedizinische Betten sind laut AGES derzeit frei. Rechtlich gesehen ist ein Lockdown an die Überlastung des Gesundheitssystems gebunden. Ein solches Szenario wird daran bemessen, wie viele der 2000 Intensivbetten in Österreich akut belegt sind. Als kritische Grenze gilt hier 40 Prozent, also 800 Betten. Doch die Bundesregierung unternimmt alles, um einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Nicht umsonst wurden die Maßnahmen ist Österreich auch wieder verschärft – zuerst am 14. September, dann am 19. Oktober sowie am 21. September in den westlichen Bundesländern mit einer neuen Sperrstundenregelung. Seit 15. Oktober gelten nun auch wieder bundeseinheitliche Verschärfungen der Corona-Maßnahmen. Kommunalnet berichtete – siehe Artikel “Diese Regeln gelten ab 25. Oktober“.

“Je höher die Ansteckungszahlen sind, desto restriktivere Maßnahmen braucht es”, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz nach dem Sonder-Ministerrat am 26. Oktober. Oberstes Ziel sei es, die Überlastung der Intensivmedizin zu verhindern. “Die Ultima-Maßnahme ist ein zweiter Lockdown”, so Kurz.

Die Lage ist sehr ernst

Doch trotz der verschärften Maßnahmen sinken die Infektionszahlen nicht wie erwartet. Macht sich da langsam Ratlosigkeit breit? “Nein”, bekräftigt Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Die Zahlen steigen in ganz Europa dramatisch an. “Österreich ist keine Insel der Seeligen”, so Anschober. Rund um Österreich würden viel strengere Maßnahmen getroffen und sogar neuerliche Lockdowns verhängt, wie in Tschechien, der Slowakei oder in Italien. Anschober mahnt zur Geduld: “Die Wirksamkeit der Maßnahmen braucht zwei Wochen, bis sich die Zahlen in der Statistik auch zeigen.”

Phase der Weichenstellung

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die nächsten zwei bis drei Wochen eine Weichenstellung für die Corona-Situation in Österreich sind. “Wir befinden uns nun in einer entscheidenden Zeit, die uns zeigt, wie unsere Zukunft weiter geht”, so der Gesundheitsminister.

“Österreich ist keine Insel der Seeligen.” – Gesundheitsminister Rudolph Anschober

In seiner Rede zur Lage der Nation am Nationalfeiertag stellte auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen außer Frage: “Die Coronakrise ist eine Belastung für uns alle.” Die CoV-Krise greife direkt das menschliche Grundbedürfnis nach Sicherheit, Nähe und Gemeinschaft an. Auch er vermisse die am Nationalfeiertag sonst üblichen Begegnungen mit der Öffentlichkeit in der Hofburg. “Aber werden wir uns davon unterkriegen lassen? Nein, natürlich nicht”, so Van der Bellen, der in seiner Rede auch eingestand: “Diese Pandemie geht uns allen ordentlich auf die Nerven.”

Wie der Bundespräsident mahnt auch die  Regierungsspitze die Bevölkerung jetzt durchzuhalten und sich an die Maßnahmen zu halten. Schließlich liege es an jedem Einzelnen von uns, wie die Krise weitergeht.

Lockdown light?

Während in anderen Ländern bereits weitere Lockdowns Realität sind, versucht man in Österreich noch immer alles zu tun, um ein erneutes Herunterfahren zu verhindern. Für den Bundeskanzler steht jedoch fest: “Bei 6.000 Neuinfektionen an einem Tag ist ein Lockdown alternativlos – diese Zahl könnte Österreich, wenn die Zahlen weiter so steigen, Ende November, Anfang Dezember erreicht sein.” Einen zweiten Lockdown wie im März kann sich bis jetzt niemand so richtig vorstellen. Denkbar wäre ein “Lockdown light” mit Ausgangsbeschränkungen, Veranstaltungsverbot und einer Schließung der Gastronomie. Die Geschäfte würden weiter offen bleiben.

Quelle: ORF, APA, KURIER

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Sotiria Peischl, MA

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