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60 Jungbürgermeister:innen aus Österreich und Deutschland trafen sich in Wien

 „Wir haben dieselben Themen, aber wir gehen anders an sie heran“

Nur 193 Bürgermeister:innen in Österreich sind unter 40 Jahre. Bei 2.093 Gemeinden ist das eine Minderheit von gerade 9 Prozent. Die heimische Politik hat es nicht immer leicht, Nachwuchs zu finden. Aus diesem Grund veranstaltete der Österreichische Gemeindebund von 29. bis 30. September in Wien eine Tagung für junge Bürgermeister:innen.

Beim ersten Jungbürgermeister:innentreffen Österreichs trafen sich rund 60 Ortschef:innen bis 40 Jahre aus Österreich sowie eine Delegation von jungen, deutschen Amtskolleg:innen zum Austausch in Wien. Im Fokus des Treffens, das vom Österreichischen Gemeindebund nach deutschem Vorbild initiiert wurde, steht der gemeinsame Austausch über kommunalpolitische Themen aus Sicht der jüngeren Generation. Die jüngste Bürgermeisterin Niederösterreichs, Bernadette Geieregger aus Kaltenleutgeben, meinte im Rahmen eines Pressegesprächs zum Thema Jugend in der Kommunalpolitik: “Wir haben dieselben Themen, aber wir gehen anders an sie heran.”

Als Impulse für die Tagung waren Gastredner und Experten aus unterschiedlichen Sparten eingeladen. Für den Deutschen Städte- und Gemeindebund nahm der stellvertretende Geschäftsführer Uwe Zimmermann an dem Treffen teil.

Junge Menschen wachsen in Welt voller Krisen auf

Begleitet wurden die beiden Tage des Vernetzungstreffens von der Staatssekretärin für Jugendagenden, Claudia Plakolm. Plakolm startete ihren politischen Weg selbst auf kommunaler Ebene. Sie betonte, dass die Bundespolitik von den Bürgermeister:innen einiges lernen könne, denn: „In der Gemeinde steht die Sache vor parteipolitischen Querelen.“ Plakolm sieht die Kommunalpolitik als Königsdisziplin des politischen Treibens – denn keine Ebene ist näher am Bürger, der Bürgerin dran als die kommunale. „Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister haben ihren Fokus darauf, den Lebensraum ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu verbessern. Unmittelbar die Auswirkungen seiner Entscheidungen zu sehen gibt Kraft und motiviert“, so Plakolm. Die aktuellen Herausforderungen sind vielfältiger denn je, gerade junge Menschen wurden in den letzten Jahren mit vielen Krisen konfrontiert. Plakolm will alle Anwesenden ermutigen, gemeinsam über die Zukunft zu sprechen, nachzudenken und positiv mitzugestalten.

Zukunftsforscher Tristan Horx berichtete den Jungbürgermeister:innen in einem Impulsvortrag von der Macht der Megatrends. Derzeit seien wir mit folgenden Megatrends, also großen Umwerfungen in Gesellschaft, Ökonomie und Technologie, konfrontiert: Individualisierung, Urbanisierung, Gender Shift, Neo-Ökologie und New Work. Die Corona-Krise habe diese Megatrends laut Horx beschleunigt, aber keine neuen geschaffen. Der Ukraine-Krieg habe dem Megatrend „Sicherheit & Ökologie“ einen Turbo gegeben.

Gerade befinden wir uns laut Horx am Übergang vom Industriezeitalter ins Informationszeitalter. Neben dem Verweis darauf, dass jeder Übergang turbulente Zeiten mit sich bringt, hinterließ Horx das Publikum aber optimistisch: Historisch gesehen ging es nach jeder Abwärtsphase auch wieder bergauf, von einem nimmer endenden Abwärtstrend sei also keine Rede.

Die „Dorftypen der Zukunft“

In seinem Vortrag definierte Horx einige Dorftypen der Zukunft. Darunter fallen etwa das „Landidyll“-Aussteigerdorf, die Bio-Oasen mit Öko-Produkten, Dörfer mit Fokus auf Landwirtschaft und Nachhaltigkeit, Digitaldörfer, die vor allem junge Menschen anziehen oder Energiedörfer, deren Ortsbilder von Solarpanelen und Windrädern geprägt sind. Doch nicht nur die Kommunen, sondern auch der Lebenslauf des durchschnittlichen Bürgers wird komplexer: Laut Horx multiplizieren die typischen Biographien der Menschen ihre Phasen. War früher der Weg nach der Adoleszenz ganz klar – Beruf, Heirat, Kinder, Pension – sieht dies heute und morgen vielfältiger aus. Bildung und Lernen spielt länger eine Rolle, Familiengründungen werden immer weiter nach hinten verschoben. Horx zitierte: „Früher wurden Menschen in der Gemeinschaft geboren und mussten dann ihre Individualität finden. Heute wird man als Individuum geboren und muss seine Gemeinschaft finden.“

Positive Einstellung führt ans Ziel

Florian Gschwandtner, Gründer der Erfolgsapp Runtastic und sogenannter „Business Angel“ verriet den Jungbürgermeister:innen seine Lebens- und Erfolgsgeheimnisse. Wie Horx verwies auch Gschwandtner auf derzeitige Trends und Entwicklungen. Besonderen Fokus legte er auf den Paradigmenwechsel, den das Internet und vor allem auch die Supercomputer in unseren Hosentaschen – mit Smartphones – mit sich brachten. Das Internet und dessen enorme Reichweite ermöglicht uns Sachen, die vor hundert Jahren nicht vorstellbar gewesen wären. Der Investor betonte die enorme Bedeutung der digitalen Welt auf alle anderen Lebensbereiche, vor allem die Wirtschaft und das Unternehmertum. Als Trends für die laufenden Jahre nannte er das Metaverse (digitale Shops etc.), Künstliche Intelligenz, Fleisch aus der Petrischale, CO2-Beseitigung oder Live-Shopping über Social-Media-Kanäle.

„Irgendwer weiß immer, wie es nicht geht“, so Gschwandtner, aber Führungskräfte wie eben auch Bürgermeister:innen müssen mit positivem Mindset voranschreiten. Das Wesentliche: Groß denken und optimistisch bleiben. Von der politischen Seite wünscht sich der Unternehmer mehr Digitalisierung und Vereinheitlichung von bürokratischen Prozessen.

Im Anschluss an die beiden Impulsvorträge waren die Bürgermeister:innen auf Einladung von Wiens Vizebürgermeisterin und Wohnbau-Stadträtin Kathrin Gaál zu Gast bei einem traditionellen Wiener Heurigen, gefolgt von einem geselligen Ausklang mit Staatssekretärin Claudia Plakolm.

Gemeinden haben Schlüsselrolle beim Klimaschutz

Nach einem Abend voll intensiver Vernetzung ging es am zweiten Tag weiter mit mehreren intensiven Vorträgen und zwei Workshops. Den Anfang machte ORF-Meteorologe Marcus Wadsak mit einem Impulsvortrag über Fakten zum Klimawandel. Der ORF-Wetterexperte brachte die Wetterextreme der letzten Jahre in Erinnerung und machte darauf aufmerksam, dass die acht wärmsten Jahre weltweit seit Beginn der Messgeschichte die letzten acht Jahre waren. Er wies auf den menschlichen Beitrag am Klimawandel durch den Ausstoß von Treibhausgasen hin und betonte die Dringlichkeit eines veränderten Verhaltens. Die Folgen des Klimawandels sind in den Gemeinden in ganz Österreich seh- und spürbar: Hitzewellen und Dürren führen zu Gletscherschmelze, Waldbränden und Ernteausfällen, Extremwetterereignisse sind für Naturkatastrophen wie Hochwasser verantwortlich.

Gegenmaßnahmen für den Klimaschutz kosten Geld, räumte Wadsak ein, doch Untätigkeit würde langfristig noch viel mehr kosten, so der Experte. Die Ziele: Treibhausgasemissionen stoppen, Emissionen reduzieren und Netto-Null erreichen. Der Meteorologe unterstrich die Bedeutung vom Bereich Verkehr und das Potenzial von E-Autos in ländlichen Regionen. Unter den Bürgermeister:innen regten sich Zweifel bei der Sauberkeit der Energieerzeugung. Große Chancen liegen in Wind- und Sonnenenergie, bekräftigte Marcus Wadsak.

Bei der Frage, wo der Strom für die zusätzliche Elektromobilität herkommen soll, wies Wadsak darauf hin, dass die dafür notwendige Menge (etwa 13-15 %) an anderer Stelle eingespart werden könne und solle. Ein Blick auf die internationale Statistik zeigt, dass Österreich jedoch noch weiterhin steigende Emissionen hat. Die ernüchternde Botschaft: es ist noch viel zu tun.

In den Gemeinden muss in vielen Bereichen klimatechnisch umgestellt werden: im Tourismus, in der Landwirtschaft, beim Hochwasserschutz, bei der Infrastruktur, beim Bauen und so weiter. Zum Abschluss machte Marcus Wadsak den Bürgermeister:innen Mut, aber sprach auch einen deutlichen Appell aus: „Es gibt wissenschaftlich keinen Grund, warum wir die Pariser Klimaziele nicht erreichen können. Aber ich sehe derzeit nicht, dass wir auf dem richtigen Weg dorthin sind.“

Unter den Bürgermeister:innen herrschte im Anschluss an den Vortrag reger Diskussionsbedarf. Die Fragen drehten sich vor allem darum, wie man von einer polarisierenden ideologischen Debatte rund um den Klimawandel ins Tun kommen kann. Diskutiert wurde auch über saubere Energiequellen, klimaneutrales Heizen und die Frage der Finanzierbarkeit. Der Tenor der Bürgermeister:innen: „Es muss mehr Geld in Maßnahmen fließen. Die Städte und Gemeinden sind der am meisten unterschätzte Bereich für den Kampf gegen den Klimawandel. Nur: nachdem man alle Kosten der notwendigen Grundversorgung in der Gemeinde beglichen hat, ist für Klimaschutz kein Geld mehr übrig.“

Bürgermeister:innen genießen hohes Vertrauen

Im zweiten Impulsvortrag des Tages führte Meinungsforscher Paul Unterhuber die Jungbürgermeister:innen in aktuelle Umfrageergebnisse rund um Gemeinden ein. Laut Umfragen ist das Vertrauen in die Bürgermeister:innen relativ hoch (56%), vor allem im Vergleich zu dem allgemeinen Vertrauen in Politik und Parteien (16 %). Der lokalen politischen Ebene vertrauen die Bürger:innen am meisten, auch über einen längeren Zeitraum hinweg.

Das Vertrauen der Menschen in Medien ist nicht besonders hoch, der Digitalisierung gegenüber zeigen sich einige skeptisch. Auch gegenüber dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Österreich ist die Skepsis hoch, das Bild unterscheidet sich jedoch drastisch im Unterschied von Stadt zu Land: in kleinen Gemeinden ist das Vertrauen in den Zusammenhalt (76 %) und in die Freiwilligenorganisationen hoch (85 %).

Unterhuber leitete daraus einen positiven Rückhalt für die Bürgermeister:innen in den Gemeinden ab. Der Meinungsforscher untersuchte auch die Ansichten der Bevölkerung über das Bürgermeisteramt. Nur 15 Prozent der Befragten konnten sich vorstellen, Bürgermeister:in zu werden. Männliche und weibliche Kandidaten für das Amt schätzten die Befragten als ähnlich kompetent und geeignet für die Aufgabe ein.

Ein wichtiges Ergebnis der Umfrage: mehr als die Hälfte (52 %) der Menschen wünschten sich eher eine junge Person als Bürgermeister, die „einen frischen Wind hereinbringt“. Als Gründe dafür erkannten die Meinungsforscher, dass die Jugend laut Angaben der Befragten bisher nicht ausreichend involviert ist. Gemeinden werden darüber hinaus als starke Fortschrittsmotoren gesehen und den Befragten kommt es auf die Präsenz der Bürgermeister:innen an. Die Personen, die hohes Vertrauen in ihre Ortschefs haben, empfanden diese als besonders präsent während der Pandemie.

„Die Themen zählen, nicht die Person“

Im Anschluss an die präsentierten Zahlen wurde unter den jungen Ortschef:innen darüber diskutiert, wie man mehr junge Frauen für die Kommunalpolitik motivieren kann. Die Umfrageergebnisse zeigen, so der Meinungsforscher, dass Frauen nicht weniger oft gewählt werden als Männer, genauso wie ältere Personen nicht unbedingt ältere Kandidaten und jüngere Personen nicht unbedingt jüngere Anwärter wählen. „Die Themen zählen, nicht die Person.“ Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Belastung durch das Bürgermeisteramt von Frauen höher eingeschätzt wird als von Männern.

Social Media mit Strategie

Auf die Vorträge folgten zwei Workshops: Lisa Neumayer vom Campaigning Bureau referierte über Social Media in der Politik. Die Social Media Expertin sprach über die unterschiedlichen Plattformen wie Facebook, Instagram, Tik Tok, etc. Facebook ist nach wie vor eines der wichtigsten Medien für Politiker:innen. Aktuelle Trends bestätigen jedoch, dass immer mehr Menschen – und vor allem jüngere Gruppen – die Plattform eher passiv als Konsumenten nutzen, um sich zu informieren, aber privat weniger posten. Das unterstreicht die Bedeutung für die Politik, so Neumayer. Will man die Zielgruppe aktiv beteiligen, so ist laut Expertin die Plattform Instagram noch besser geeignet.

Interaktion mit Nutzern

Als die wichtigsten Dinge für eine erfolgreiche Nutzung von Instagram zählt sie die regelmäßige Bespielung des Kanals und die Interaktion mit den Followern auf. Ein Tipp der Expertin: Wo nur möglich, steigern gemeinsame Beiträge mit anderen Profilen und Hashtags die Reichweite. Community Management ist ein großer Bereich, der auch Arbeit braucht, um mit den Bürger:innen zu interagieren. Für Gesprächsbedarf und Fragen unter den Bürgermeister:innen sorgte die Plattform Tik Tok. Die Videoplattform hat in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt und auch die Nutzergruppe im wahlberechtigten Alter steigt.

Die Erfolgsfaktoren für Tik Tok sind laut Neumayer regelmäßiges Bespielen der Plattform und viel Interaktion mit Nutzern. Auch die Trends bzw. Sounds mitzumachen ist ein heißer Tipp, um die junge Zielgruppe anzusprechen.

Wichtig ist vor allem eine Strategie: Es lohnt sich zu überlegen, welche Kanäle sinnvoll sind, wer die Zielgruppe ist und welche Botschaften man als Gemeinde kommunizieren möchte. Neumayer empfiehlt, lieber einen Kanal intensiv zu bespielen als mehrere nur „so halb“. Auch um Effizienz und Personalkapazitäten sollte man sich bei der Wahl des Social Media-Kanals Gedanken machen. Am wichtigsten: Authentizität zeigen – das bedeutet gegebenenfalls auch im Dialekt sprechen. Weitere grundsätzliche Fragen, die man sich stellen sollte:

Was sind die wichtigsten Ziele? Wer ist die Zielgruppe? Was will ich kommunizieren? Welche Anlässe bieten sich an? Teile ich auch private Infos? Wie viel Zeit will ich in Social Media-Arbeit investieren? Wer kann mich unterstützen? Wie kann ich meine Reichweite steigern und wie kann ich sie messen (in Likes, Interaktionen, Shares etc.).

Bei den Inhalten präsentierte die Social Media-Expertin folgende Empfehlung: am häufigsten wird das Tagesgeschehen dokumentiert, doch auch geplanter Content mit fixen Botschaften, sowie Anlässe und Aktionen sollten Platz haben. Größere Produktionen wie Imagevideos sollten hingegen eher nur zu besonderen Anlässen veröffentlicht werden.

Die anschließende Diskussion drehte sich in erster Linie um den Umgang mit Internetdiskussionen und Hasskommentaren. Neumayer empfiehlt: „Fragen und Hasskommentare sollte man unterscheiden. Bei Fragen soll im Idealfall immer jemand antworten, Hassbotschaften kann man auch sperren.“

Die Gemeinde als attraktiver Arbeitgeber

Im zweiten Workshop sprachen Günter Toth, Cornelia Schwaminger und Sandra Donhauser von der BDO über Personalmanagement in Gemeinden. Die Diskussion rund um den Schlagbegriff „War of Talents“ drehte sich darum, wie man die Gemeinde als öffentlichen Arbeitgeber attraktiver machen kann. Viele Bürgermeister:innen beklagen Fachkräftemangel und konkurrieren vermehrt mit der Privatwirtschaft um Personal. In der Diskussion kam auch die Konkurrenz zwischen großen Städten und kleinen Gemeinden zum Vorschein. Große Städte können höhere Gehälter zahlen als kleinere. Gleichzeitig wird die Arbeit nicht weniger. Die Expert:innen von der BDO wiesen darauf hin, dass der Fachkräftemangel derzeit in allen Bereichen zuschlägt, auch aufgrund des demografischen Wandels. Eine große Masse an Menschen geht demnächst in Pension, es kommen nicht so viele nach. Aber auch der Wertewandel über die Generationen hinweg leistet einen Beitrag zur aktuell angespannten Arbeitsmarktsituation, so die Vortragenden. Während bei der Generation Baby Boomer Fleiß und die Loyalität zum Arbeitgeber im Vordergrund standen, ist bei der Generation Y (auch Millennials genannt) der sinnstiftende Aspekt größer – sie wollen sich in der Arbeit verwirklichen. Vertreter der jüngsten Generation, der Generation Z., wollen Privates und Arbeit hingegen wieder trennen und entscheiden sich sehr gezielt für einen Arbeitgeber.

Die Vertreter:innen von der BDO mahnten die Bürgermeister:innen zur Vorsicht, die Trends am Arbeitsmarkt nicht zu übersehen. Die Expert:innen von der BDO präsentierten aktuelle Zahlen und Prognosen zum Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor, die durchaus zu bedenken geben. Wenn kein Personal zur Verfügung steht, ist das langfristig für Gemeinden und ihren Versorgungsauftrag fatal.

Employer Branding für Gemeinden

Aus Sicht der Expert:innen liegt die Lösung im sogenannten Employer Branding. Dabei sollten sich die Gemeinden überlegen, wofür sie als Arbeitgeber stehen wollen und was sie den eigenen Mitarbeiter:innen anbieten können, so die Empfehlung. Um das eigene Image als Stadt oder Gemeinde zu verbessern und zu verbreiten, sollten Kommunen alle Kanäle nutzen.

Unter den Bürgermeister:innen kam die Frage der Konkurrenz unter Städten und Gemeinden auf, die durch Imagekampagnen noch befeuert werden kann – etwa wenn große Städte die Arbeitskräfte aus den Umlandgemeinden abwerben, weil sie ein besseres Image als Arbeitgeber haben. Hier müsse man mehr überregional zusammenarbeiten, so der Konsens.

Eine wichtige Vorbildwirkung für das Image der Gemeinde haben gute, erfahrene Arbeitskräfte. Die gelte es zu halten. Günter Toth mahnte: „Die Qualität der Verwaltung zu halten ist nicht so leicht, wenn man Personalmangel hat.“ Der Workshop schloss mit dem Appell, die eigene Gemeinde als attraktiver Arbeitgeber am Arbeitsmarkt zu positionieren.

Bundeskanzler informiert auf Augenhöhe

Das Highlight des Tages war der abschließende Austausch mit Bundeskanzler Karl Nehammer und Staatssekretärin Claudia Plakolm im Bundeskanzleramt. Der Kanzler beantwortete Fragen der Jungbürgermeister:innen und informierte über aktuelle Themen aus der Regierungsarbeit. Ein besonderes Schmankerl war die Besichtigung seines Arbeitsplatzes mitsamt Schreibtisch. Der Kanzler dankte den Bürgermeister:innen für ihre Arbeit und betonte: „Als jemand, der selbst aus der Kommunalpolitik kommt, kenne ich den hohen Stellenwert der Gemeinden, denn sie sind der erste Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger.“ Für Interessierte und vor allem die Gäste aus Deutschland gab es im Anschluss an die Veranstaltung eine Stadtführung durch Wien.

In Österreich gibt es 193 Bürgermeister:innen bis 40 Jahre, bei 2.093 österreichischen Gemeinden ist das ein Anteil von rund neun Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland waren mehr als 700 Bürgermeister:innen bei der letzten Wahl unter 40 Jahre. Bei rund 11.000 Kommunen entspricht das in etwa einem Anteil von 6 Prozent.

Oberösterreich stellt mit 53 am meisten junge Bürgermeister:innen. Bei 438 oberösterreichischen Gemeinden ist das ein Anteil von 12 Prozent. Der jüngste ist der 26-jährige Fabian Grüneis aus Waizenkirchen, die jüngste Oberösterreicherin ist auch die österreichweit jüngste Ortschefin, Nicole Zehetner-Grasl aus Hofkirchen im Mühlkreis (26).

Anteilsmäßig sind die meisten jungen Bürgermeister:innen jedoch in Tirol beheimatet – ganze 39 sind 40 Jahre alt oder jünger. Das ergibt bei 277 Tiroler Gemeinden einen Anteil von 14 Prozent. Der jüngste ist René Schwaiger (26) aus Westendorf. Die jüngste Tiroler Bürgermeisterin ist Victoria Weber aus Schwaz (30).

In Niederösterreich sind 37 Ortschef:innen bis zu 40 Jahre alt. Bei 573 Gemeinden sind das 6 Prozent junge Bürgermeister:innen. Stefan Klammer (Neidling) ist der jüngste mit 28 Jahren, die jüngste ist die 29-jährige Bernadette Geieregger aus Kaltenleutgeben.

Auch in der Steiermark werden mit 19 Gemeindeoberhäuptern 6 Prozent der 286 Kommunen von jungen Bürgermeister:innen geführt. Der jüngste ist Matthias Hitl aus Kainbach bei Graz (28 Jahre), seine jüngste Amtskollegin ist die 31-jährige Andrea Kohl aus Bad Blumau.

Im Burgenland gibt es 16 junge Bürgermeister:innen, das sind bei 171 Gemeinden rund 9 Prozent. Der jüngste Burgenländer ist auch der österreichweit jüngste: Fabio Halb aus Mühlgraben ist erst 25 Jahre alt.

In Salzburg gibt es zehn Jungbürgermeister:innen, 8 Prozent bei 119 Gemeinden. Der jüngste ist Florian Juritsch aus Unken mit 32 Jahren.

Von den 96 Vorarlberger Kommunen werden zehn von jungen Ortschef:innen geführt (10 Prozent). Simon Tschann aus Bludenz ist mit 30 Jahren der jüngste von ihnen.

In Kärnten sind 9 junge Gemeindeoberhäupter beheimatet – bei 132 Gemeinden 6 Prozent. Die jüngste Bürgermeisterin ist Andrea Feichtinger aus Kappel am Krappfeld (33 Jahre), ihr jüngster Amtskollege ist der 36-jährige Thomas Seelaus aus Preitenegg.

Zitate

„Die Kommunalpolitik ist die Königsdisziplin des politischen Treibens.“

„Irgendwer weiß immer, wie es nicht geht. Das Wesentliche ist: Groß denken und optimistisch bleiben.“

„Es lohnt sich zu überlegen, welche Social Media-Kanäle sinnvoll sind, wer die Zielgruppe ist und welche Botschaften man als Gemeinde kommunizieren möchte.“

„Fragen und Hasskommentare sollte man unterscheiden. Bei Fragen soll im Idealfall immer jemand antworten, Hassbotschaften kann man auch sperren.“

„Gemeinden sollten sich fragen: Was macht uns als Arbeitgeber einzigartig und attraktiv?“

„Als jemand, der selbst aus der Kommunalpolitik kommt, kenne ich den hohen Stellenwert der Gemeinden, denn sie sind der erste Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger.“

„Wir haben dieselben Themen, aber wir gehen anders an sie heran.“

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