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HABEN SIE FRAGEN ZU ÖSTERREICHS GEMEINDEN?

Forum 5: Der Klimaschutz – im Dutzend billiger

Das heiße Spiel von Mehr und Weniger

„Das Klimaschutzabkommen von Paris hat etwas von einem Eheversprechen. Es ist eine ernst gemeinte Zusage, aber noch keine Garantie auf Erfolg.“ Betont pointiert eröffnete Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb das von KURIER-Redakteur Matthias Hofer geleitete Forum 5 der Kommunalen Sommergespräche 2016. Der Titel „Klimaschutz durch Kooperation“ hätte passender nicht gewählt sein können. Und die Zeit drängt: Schätzungen gehen davon aus, dass Österreich noch 1000 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittieren darf, um dem Pariser Ziel gerecht zu werden. Gemessen am heutigen Verbrauch ist 2023 Schluss. „Das heißt, Österreich müsste in 14 Jahren emissionsfrei sein“, rechnete Kromp-Kolb vor. Dies sei wenig realistisch, daher müsse die jährliche Menge Kohlendioxid reduziert werden. Einschränkung ist angesagt.

„Wie kann man erklären, dass es den Leuten schlechter geht und sie weniger haben, damit Klimaziele erreicht werden?“ An dieser Publikumsfrage entzündete sich eine Debatte um die Aufgaben von Entscheidungsträgern in Zeiten des Klimawandels. Mehr auf die Lebensqualität und weniger auf den Lebensstandard schauen, lautete der pragmatische Ansatz von Kromp-Kolb: „Stellen Sie sich vor, Sie haben nur noch ein Jahr zu leben. Was tun Sie? Worauf legen Sie Wert? Da zeigt sich plötzlich, was wichtig ist.“ Markus Hafner-Auinger, Geschäftsführer des Klimabündnis Österreich ergänzte: „Davon dass es jemandem schlechter geht, kann gar keine Rede sein. Zugfahren kann auch Qualitätsgewinn sein.“

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©event-fotograf

Was ist also zu tun? Günther Liebel, für Klimaschutzfragen im Umweltministerium federführend zuständig: „Wir müssen von Öl, Gas und Kohle umsteigen auf erneuerbare Energien, weil die kein Kohlendioxid rausblasen. So simpel ist es.“ Das oft gehörte Argument, erneuerbare Energie sei zu teuer, ließ er nicht gelten. „davon kann gar keine Rede sein. Wind und Sonnenenergie sind gratis. Wie kann das jemals teurer sein?“ Vor der aktuellen Entwicklung unter dem Schlagwort „Leistbares Wohnen“ warnte Liebel vor allem die anwesenden Gemeindevertreter: „Wenn jetzt die Baustandards schlechter werden, nur damit billiger gebaut werden kann, dann brauchen die Nutzer mehr Energie und sie haben für die nächsten 30, 40 Jahre ein riesiges Problem.“

Zur Vielzahl der vorhandenen Bundesförderungen meinte der Sektionschef: „Die wirken nur dann richtig, wenn die Gemeinden mitziehen.“ Eine Ansicht, die Otmar Schlager von der Energieagentur der Regionen teilte. Sein Ansatz: „Wir müssen eine Doppelstrategie fahren: den Energiebedarf senken und die Produktion von Ökoenergie steigern.“ In beidem berät er Gemeinden. Sein Beispiel aus dem Waldviertel betrifft die Region Thayaland (www.zukunftsklub.at), wo zwei Vereine eine Gesellschaft gründeten, die jetzt in Kooperation mit regionalen Betrieben Projekte zum Klimaschutz plant und umsetzt (Photovoltaik, Carsharing).

Mut machte Alexandra Amerstorfer von der Kommunalkredit Public Consulting (KPC, www.publicconsulting.at) den Gemeinden. Es gebe eine Vielzahl von Unterstützungsmöglichkeiten für kommunale Projekte. In Fragen der Beratung und Finanzierung stünde die KPC parat. Sie verwies außerdem auf die 99 „Klima- und Energie-Modellregionen“ in Österreich (www.klimaundenergiemodellregionen.at). Rund 900 Gemeinden (die Initiativen erreichen etwa 2,5 Millionen Menschen) lassen sich dabei beraten, wie sie mit ihren lokalen Ressourcen optimal umgehen und unabhängig von fossilen Energieträgern werden.

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©event-fotograf.at



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