Öffentliche Finanzen: Defizit in historischem Ausmaß

Im Jahr 2020 betrug das öffentliche Defizit 8,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bzw. 33,2 Mrd. Euro und war damit das höchste Defizit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1954. Ende 2019 wurde noch ein Überschuss von 2,4 Mrd. Euro bzw. von 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung erzielt. Wie aus vorläufigen Ergebnissen von Statistik Austria weiter hervorgeht, stiegen die Staatsausgaben im Vergleich zu 2019 um 12,6 Prozent bzw. 24,4 Mrd. Euro. Am höchsten steigen dabei die Staatsausgaben für Subventionen: nämlich von knapp sechs auf 20 Milliarden Euro.

“Die Corona-Krise hat Österreich vom Konsolidierungspfad gedrängt. Der Einbruch der Wirtschaftsleistung aufgrund der Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung haben die öffentlichen Einnahmen deutlich gesenkt und die Staatsausgaben massiv anwachsen lassen. Österreich musste im Jahr 2020 mit Minus 8,9 Prozent ein Defizit in historischem Ausmaß verbuchen”, so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Corona-Maßnahmen kosten viel

Die Staatsausgaben stiegen im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 12,6 Prozent oder 24,4 Mrd. Euro auf insgesamt 217,4 Mrd. Euro. Die deutlichste Steigerung ist bei den Subventionen zu beobachten (nämlich ein Plus von 14,1 Mrd. Euro bzw.  plus 240,7 Prozent). Dies ist vor allem auf die staatlichen Corona-Hilfspakete zurückzuführen (Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss, Umsatzersatz etc.).

43,0 Prozent der Ausgaben des Staates entfielen auf Sozialausgaben, die gegenüber 2019 eine Steigerung von 7,5 Prozent auswiesen. Die nächstgrößeren Positionen waren mit einigem Abstand der Personalaufwand mit rund 20 Prozent und der Sachaufwand mit rund 12 Prozent. Die Investitionen zeigten 2020 einen Anstieg auf 12,9 Mrd. Euro. Die Zinsausgaben waren auch 2020 stark rückläufig. Die Staatseinnahmen 2020 betrugen insgesamt 184,2 Mrd. Euro und sanken im Vergleich zum Vorjahr um 11,3 Mrd. Euro. Der stärkste Rückgang ist mit 9,8 Mrd. Euro bei den Steuern und Sozialbeiträgen zu beobachten, die 2020 161,0 Mrd. Euro ausmachen.

Defizit in allen Teilsektoren des Staates

Im Jahr 2020 verzeichneten alle vier Teilsektoren des Staates ein Defizit. Die Bundesebene (Gebietskörperschaft, Bundeskammern und sonstige Bundeseinheiten) erzielte mit 29,3 Mrd. Euro ein Defizit (2019: Überschuss von 1,8 Mrd. Euro). Auf der Landesebene (Gebietskörperschaft, Landeskammern und sonstige Landeseinheiten) ist ein Defizit von 1,9 Mrd. Euro zu beobachten (2019: Überschuss von 543 Mio. Euro). Die Gemeindeebene einschließlich Wien verzeichnete ein Defizit von 1,7 Mrd. Euro (2019: Defizit von 93 Mio. Euro). Ein Defizit von 228 Mio. Euro ist beim Sektor Sozialversicherung zu beobachten (2019: Überschuss von 197 Mio. Euro)

Staatseinnahmen in Mrd. Euro

20192020
insgesamt195,5184,2
davon Steuereinnahmen109,7100,0
davon Sozialbeiträge61,161,0
davon Produktionserlöse17,416,4
Sonstige7,36,8

Staatsausgaben in Mrd. Euro

20192020
insgesamt193,1217,4
davon Sozialausgaben87,093,6
davon Personalaufwand41,942,7
davon Sachaufwand24,925,7
davon Subventionen5,920,0
davon Investitionen12,612,0
davon Zinsen5,65,1
Sonstige15,317,4

(Quelle: Statistik Austria)

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