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Egal, ob Blackout oder Pandemie: Österreich wird krisenfit

Die Österreichische Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV) möchte mit der zivilgesellschaftlichen Initiative „Mach mit! Österreich wird krisenfit!“ (www.krisenfit.jetzt) eine nationale Dachmarke zum Thema Krisenvorsorge etablieren. Der Österreichische Städtebund und der Handelsverband Österreich zählen zu den ersten wichtigen Partnern.

Seit 2 Jahren befinden wir uns in einer schwerwiegenden Pandemie. Trotzdem entsteht der Eindruck, als würde das Murmeltier täglich neu grüßen. Obwohl sich der 4. Lockdown bereits Wochen vorher abgezeichnet hat, wurden fast alle wieder überrascht. Das Bundesheer musste erneut einspringen und zivile Behörden unterstützen. Ein vorbereitetes professionelles Distanz-Learning, um die Kinder zu schützen? Weit gefehlt. Eine professionelle und glaubwürdige Krisenkommunikation? Nein, denn sonst könnte es kaum zu einer immer größeren gesellschaftlichen Polarisierung kommen. Was haben wir aus dieser Krise gelernt? Offensichtlich nicht genug, um eine breite Anpassung und ein rasches strukturiertes Handeln zu gewährleisten. Dabei ist die bisherige Pandemie noch glimpflich verlaufen, vergleicht man diese mit den wissenschaftlichen Referenzszenarien.

Das Thema Blackout-Vorsorge ist angekommen.

Das Thema Blackout-Vorsorge ist im Herbst 2021 in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Nun fordert etwa auch das Innenministerium zur Eigenvorsorge auf. Der österreichische wie auch ein deutscher Übertragungsnetzbetreiber berichten von zunehmend schwieriger werdenden Situationen, was sich in den nächsten Monaten und Jahren weiter zuspitzen dürfte. Die einseitige deutsche Energiewende setzt das europäische Versorgungssystem zunehmend unter Druck. Die Energiewirtschaft arbeitet zwar hart daran, Großstörungen abzuwenden. Dennoch kam es 2021 zu zwei schwerwiegenden Ereignissen. Diese konnten sehr gut beherrscht und rasch behoben werden. Wir sollten uns dennoch in keine falsche Sicherheit wiegen. Denn zwei von insgesamt fünf Ereignissen in den vergangenen Jahrzehnten in einem Jahr sollten als Warnhinweise verstanden werden. Niemand weiß, ob die Sicherheitsmechanismen auch im nächsten Kontext rechtzeitig und ausreichend greife werden. Es gibt einfach keine hundertprozentige Sicherheit. Nirgends. In Anbetracht der immensen Schäden in Folge eines Blackouts wäre eine weitere Vernachlässigung der Vorsorge einfach nur fahrlässig.

Gleichzeitig ist auch in diesem Bereich eine deutliche Polarisierung zu beobachten. Nachdem das Thema nun offen angesprochen und zur Vorsorge aufgerufen wird, nehmen das andere Gruppierung zum Anlass, um das Thema für sich zu vereinnahmen. Zum Teil in Verbindung mit Verschwörungsmythen, dass das Ganze jetzt geplant sei und bewusst herbeigeführt werden soll. Die Verbreitung von Gerüchten und Fake News läuft über Soziale Medien besonders gut.

Daher sehen sich jetzt wiederum andere Akteure dazu veranlasst, das Ganze herunterzuspielen, was wohl nicht zu den gewünschten Effekten führen wird. Ganz im Gegenteil. Gleichzeitig wird damit eine Auseinandersetzung und Vorsorge boykottiert: Warum soll man sich mit etwas beschäftigen, wenn das eh Verschwörungsmythen sind oder ein solches Ereignis sehr unwahrscheinlich ist? Wir geraten damit in eine noch größere Sackgasse.

Widersprüche und Polarisierung

Das Problem: Wir sind immer häufiger mit Widersprüchen („Ambivalenz“) konfrontiert. Es wird zunehmend schwieriger, sich eine fundierte Meinung zu bilden, weil es für jede Sicht genügend plausible Argumente gibt. Wir stoßen mit unserem abendländischen entweder-oder-Denken an Grenzen und verstärken damit die gesellschaftliche Polarisierung.

Wir sollten uns daher wieder viel mehr – auch im politischen Umfeld – mit dem Verbindenden, statt mit dem Trennenden beschäftigen. Um absehbare und nicht absehbare Turbulenzen bewältigen zu können, benötigen wir vernetztes und systemisches, also ein sowohl-als-auch-Denken, das auch Widersprüche aushält. Denn nicht alles, was die eine oder andere Seite von sich gibt, ist richtig oder falsch. Das wird aber gerne so dargestellt und führt genau zum Gegenteil: Reaktanz bzw. Abwehrreaktionen

Radikalisierung

Steigende soziale Spannungen (z. B. Geimpfte versus Ungeimpfte) erhöhen die Gefahr für eine Radikalisierung, weil sich viele Menschen nicht mehr ernst oder wahrgenommen fühlen. Auch in anderen Bereichen findet eine verbale Aufrüstung statt. Klimaaktivisten fordern zur Gewaltanwendung auf. Auch sie fühlen sich ignoriert. Keine guten Aussichten auf eine friedliche und stabile Zukunft.

Krisenfitness

Krisenfitness kann uns dabei helfen, mit diesen Entwicklungen besser umzugehen. Neben einer physischen Vorsorge (körperliche Fitness, Lebensmittelvorräte etc.) geht es genauso um die mentale Vorbereitung, um mit Unsicherheit, Ungewissheit und Überraschungen besser zu Recht zu kommen. Diese beginnt bei uns selbst und setzt sich in den Organisationen und Unternehmen fort. Nicht erst reagieren, wenn die Krise bereits da ist, und dann vielleicht auch noch überreagieren, sondern durch Vorausschau vor die Lage kommen und professionell reagieren können.

Wie sich häufig in der praktischen Auseinandersetzung zeigt, ist meistens deutlich weniger erforderlich, als zunächst befürchtet wird. Das führt dazu, dass eine Auseinandersetzung gerne auf die lange Bank geschoben wird. „Wird schon nicht passieren oder nicht so schlimm kommen“, sind meist falsche Einschätzungen, die dann zum Bumerang werden. Wir sind nicht mehr gewohnt, mit Krisensituationen umzugehen und versuchen daher, Gewohntes aufrechtzuerhalten, was größtenteils nicht notwendig ist. Krisenvorsorge und Krisenfitness schaffen daher Sicherheit und Handlungsspielraum, auch wenn wir hoffen, dass wir sie nie benötigen werden. So wie eine Feuerwehr oder Versicherung.

Hoffnung ist wichtig, aber als einziges Instrument zu wenig.

Lieferkettenprobleme

Wir haben 2021 auch gesehen, dass unsere global vernetzten Lieferketten anfällig für Störungen sind. Immer mehr Produkte sind nicht lieferbar und es kommt zu umfangreichen Produktionsausfällen. Die Just-in-Time-Produktion und Logistik sind in stabilen Zeiten sehr erfolgreich. Diese geraten aber zunehmend mehr aus dem Gleichgewicht. Im Mai und Juni 2020 mussten zwei große deutsche Schlachthöfe wegen Coronainfektionen geschlossen werden. Ein Schlachthof stand 4 Wochen still. Der Wiederanlauf dauerte 18 Wochen. Es kam zu einem Rückstau von über eine Million Schlachtungen. Diese konnten erst im Februar 2021 aufgelöst werden. Nun ist die gesamte Versorgungskette – von der Ferkelproduktion, über die Aufzucht, Schlachtung und volle Kühllager – aus dem Gleichgewicht. Viele Auswirkungen werden wir erst in den kommenden Monaten richtig zum Spüren bekommen.

Wenn schon Einzelereignisse derart schwerwiegende Folgen auslösen können, dann muss mit noch viel schwerwiegenderen Folgen in Folge eines Blackouts gerechnet werden. Wenn auch nur für wenige Tage quer über Europa die Produktion und Logistik chaotisch ausfällt, wird es Monate und Jahre dauern, bis wieder eine stabile Versorgung hergestellt werden kann. Gleichzeitig müssen wir aber bereits nach wenigen Tagen chaotische Zustände erwarten, weil ein Großteil der Bevölkerung und damit auch das Personal der Unternehmen nicht darauf vorbereitet sind, sich zumindest 14 Tage selbst versorgen zu können. Dieser Faktor wird leider nach wie vor weitgehend unterschätzt.

„Mach mit! Österreich wird krisenfit!“

Die zivilgesellschaftliche und überparteiliche Initiative „Mach mit! Österreich wird krisenfit!“ möchte daher aufrütteln und dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen fit für die nächste Krise werden, auch wenn viele Menschen bereits krisenmüde sind. Das ist verständlich. Jedoch wird die nächste Krise nicht warten, bis wir wieder bereit sind. Wer fit ist, kann besser und entspannter mit überraschenden Ereignissen und Unsicherheit umgehen.

Krisenfitness geht deutlich über die unmittelbare Sicherstellung der Grundversorgung hinaus, auch wenn diese für alles andere Voraussetzung ist. Die Akzeptanz, dass solche, auf den ersten Blick verstörende Ereignisse möglich sind, trägt dazu bei, dass die Bewältigung einfacher wird. Die innere Einstellung und Grundhaltung sowie eine körperliche Fitness sind wichtige Bausteine, um mit unerwarteten Ereignissen und Ungewissheit umgehen zu können. Dazu gehören dann auch die organisatorischen Vorbereitungen, um mit außergewöhnlichen Ereignissen besser umgehen zu können.

Mitmachen ist ganz einfach!

Verwenden Sie das Logo (https://www.krisenfit.jetzt/logo) bei Ihren Vorsorgeaktivitäten, um den Menschen und Ihren Mitarbeitern zu zeigen, dass Sie das Thema Vorsorge ernst nehmen. Denn wenn dieses Logo immer wieder und an unterschiedlichen Stellen zu sehen ist, steigt die Chance, dass sie auch das individuelle Verhalten ändert. Versuchen wir gemeinsam das Thema Vorsorge wieder als selbstverständlichen Baustein eines sicheren und sorglosen Lebens zu etablieren. Ganz nach dem Motto: „Rechtzeitig drauf schauen, dass man’s hat, wenn man’s braucht.“

Herbert Saurugg

Zum Autor: Herbert Saurugg ist internationaler Blackout- und Krisenvorsorgeexperte, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krisenvorsorge (GfKV) und Autor zahlreicher Fachpublikationen. Seit 10 Jahren beschäftigt er sich mit der steigenden Komplexität und Fragilität lebenswichtiger Infrastrukturen sowie mit den möglichen Lösungsansätzen, wie die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern wieder robuster gestaltet werden kann. Er unterstützt Gemeinden, Unternehmen und Organisationen bei der Blackout-Vorsorge. www.saurugg.net

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