Frauen sind immer noch selten in der Kommunalpolitik – die Gründe dafür sind unterschiedlich, sie spiegeln aber die anhaltenden Ungleichheitsverhältnissen unserer der Gesellschaft wider. Dass es auch anders geht, beweisen einzelne Beispiele: In Sulz im Weinviertel regieren Frauen das Gemeindeamt. Mit einer Bürgermeisterin, einer Vizebürgermeisterin und einer Amtsleiterin sind hier alle drei Spitzenfunktionen weiblich besetzt. Doch damit nicht genug: Auch die gesamte Gemeindeverwaltung ist in starker weiblicher Hand. Wie kommt das?
Sulz: Frauen bilden Alleinregierung
Neben dem weiblichen „Triummulierat“ (weibliches Pendant zu Triumvirat) sind auch sämtliche Mitarbeiterinnen am Gemeindeamt Frauen. Nur am Bauhof besteht ein einziger männlicher Gemeinde-Mitarbeiter.
Es ist die einzige Gemeinde Österreichs mit reinem Frauenteam. Gekommen ist das durch einen Zufall – bereits seit den vorletzten Kommunalwahlen ist auch die Stellvertretung der Bürgermeisterin eine Frau. In der Verwaltung gibt es am Sulzer Gemeindeamt schon seit über 20 Jahren ausschließlich Damen. Selbst die neue Amtsleiterin ist wieder eine Frau.
Bürgermeisterin Angela Baumgartner ist stolz auf ihr Team: „Bei uns wird wirklich hart gearbeitet, trotzdem können wir auch gut gemeinsam lachen. Man muss bei der Arbeit auch Spaß haben können.“
Auf Frauen zugehen und sie „reinschnuppern lassen“
Im Sulzer Gemeinderat ist der Frauenanteil nicht ganz so hoch. „Es wäre aber auch nicht gut, wenn nur Frauen die Bevölkerung politisch repräsentieren würden. Ein ausgeglichenes Verhältnis soll es sein“, so Baumgartner. Sie findet es schwer, Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern. „Besonders jüngere Frauen mit Kindern haben oft keine Zeit dafür, sich politisch zu engagieren“.
Dazu kommt, dass man sich als Frau in der Politik immer noch mehr beweisen muss als Männer. Die Bürgermeisterin erzählt, wie sie sich anfangs von der „älteren Generation“ nicht ganz ernst genommen gefühlt hat. Am besten erreiche man Frauen, wenn man sie „reinschnuppern“ lässt, so die Ortschefin.
Ein reger Austausch ist der Bürgermeisterin sehr wichtig: „Ich will keine Dorfkaiserin werden, man soll auch andere Meinungen zulassen können. Egal ob männlich oder weiblich – man muss ein Gspür für die Leut‘ haben.“
ÖVP Fischbach fördert gezielt Frauen
Frauen gezielt fördern – das hat sich Bürgermeisterin Silvia Karelly aus Fischbach in der Steiermark vorgenommen und mit strikter Konsequenz durchgesetzt, dass auf ihrer Liste im Gemeinderat mindestens 50 Prozent Frauen stehen.
„Als ich Bürgermeisterin geworden bin, habe ich gemerkt, dass es nur sehr wenige Frauen im Gemeinderat gibt. Ich wollte 50/50. Alle haben gesagt, das geht nicht und ich habe gesagt – geht nicht gibt’s nicht. Ich habe mir ein Ziel gesetzt und es auch erreicht. Wenn man etwas wirklich will, dann geht es auch“, so Silvia Karelly.
Zwei starke Frauen für Atzenbrugg
Atzenbrugg im Bezirk Tulln nimmt ebenfalls eine Vorbildfunktion ein: Wenn es brennt, so sind die wichtigsten Entscheidungsträgerinnen sofort zur Stelle – denn Atzenbrugg hat sowohl im Gemeindeamt als auch im Feuerwehrhaus eine first Lady. Beate Jilch ist seit 2019 Bürgermeisterin der rund 3.500-Einwohner-Gemeinde, Magdalena Draxler seit Jänner 2021 als eine von wenigen Frauen in Österreich Feuerwehrkommandantin der Freiwilligen Feuerwehr Atzenbrugg.
Zu wenige Frauen in den Gemeindevertretungen
Insgesamt bleiben Frauen an der Führungsspitze auch in den Gemeinden eine Seltenheit. Nur etwa 12 Prozent aller Bürgermeister-Ämter in Österreich werden von Frauen bekleidet. Bedenklich ist der geringe Frauenanteil in den politischen Gremien insgesamt: Etwa ein Viertel der Gemeinderätinnen in ganz Österreich sind Frauen. In etwa einem Dutzend Gemeinden ist der Frauenanteil in der Gemeindevertretung sogar gleich Null.
Doch es geht auch anders: Laut Städtebund-AK-Gleichstellungsindex gab es im Jahr 2023 in Österreich 26 Gemeinden mit mehr als 50 Prozent Frauenanteil im Gemeinderat. So zum Beispiel in Zillingtal im Burgenland. Dort stehen sieben Gemeinderäten acht Gemeinderätinnen gegenüber. Vielleicht hilft es auch, dass es in Zillingtal eine Bürgermeisterin und eine Vizebürgermeisterin gibt, denn Frauen-Vorbilder ziehen offenbar andere Frauen an.