Hans ist bei der freiwilligen Feuerwehr, Lisi engagiert sich in der Landjugend. Matthäus ist Blasmusik-Kapellmeister und Sabine kümmert sich um den Pfarrgemeinderat und den Kulturverein. Ohne sie würde Österreich schlecht dastehen und vor allem würde es den Staat sehr viel Geld kosten: Freiwilligenarbeit spart Österreich Millionen Euro und hält die Gemeinschaft zusammen.
Halb Österreich engagiert sich ehrenamtlich
3,73 Millionen Menschen sind in Österreich ehrenamtlich in Vereinen, Kirchen, Organisationen und Initiativen tätig oder helfen anderen informell. Das ist mit 48,2 Prozent fast die Hälfte der Bevölkerung ab 15 Jahren, berichtete die Statistik Austria anlässlich des Tag des Ehrenamts am 5. Dezember. Damit ist das Engagement im Vergleich zur letzten Erhebung 2022 (49,4 Prozent bzw. rund 3,7 Millionen Menschen) etwas zurückgegangen. Anderen zu helfen und Freude an der Tätigkeit sind die Hauptgründe für die Hilfe.
Durschnittlich sechs Stunden Freiwilligenarbeit
Im Durchschnitt investieren Ehrenamtliche knapp sechs Stunden pro Woche in ihr Engagement. Besonders ältere Menschen ab 60 Jahren sind mit durchschnittlich 7,29 Stunden pro Woche aktiv. Insgesamt leisten die Freiwilligen in Österreich rund 22 Millionen Stunden pro Woche. Im informellen Bereich, das sind privat organisierte Tätigkeiten ohne Verein oder Organisation im Hintergrund, wie etwa Nachbarschaftshilfe, ist die Freiwilligentätigkeit von 36,7 Prozent im Jahr 2022 auf 38,7 Prozent gestiegen. Zurückgegangen ist die formelle Hilfe – das sind unbezahlte Tätigkeiten bei einer Organisation oder einem Verein – von 25,8 Prozent auf 24,1 Prozent. Die Gründe dafür wurden von der Statistik bei der Erhebung zur Freiwilligentätigkeit abgefragt. Die häufigste Antwort war, weil die Menschen „beruflich oder familiär zu engagiert sind“ oder „weil sie noch nie gefragt wurden oder noch nie darüber nachgedacht haben“, erläuterte Lenk.
Männer häufiger freiwillig tätig als Frauen
Rund 20 Prozent der Freiwilligen sind ausschließlich im institutionalisierten Rahmen eines Vereins oder einer Organisation aktiv, etwa 50 Prozent helfen anderen informell und 30 Prozent sind sowohl formell als auch informell tätig. Männer sind etwas häufiger freiwillig tätig als Frauen: Von allen in Österreich wohnenden Männern über 15 Jahren sind 50,7 Prozent ehrenamtlich tätig, bei den Frauen sind es 45,8 Prozent. Pro Woche leisten Frauen allerdings mehr unentgeltliche Arbeit: Sie verbringen im Median rund 2,77 Stunden mit ihrer freiwilligen Tätigkeit, bei den Männern sind es etwa 2,5 Stunden.
Im informellen Bereich sind Frauen mit 50,3 Prozent etwas stärker vertreten als Männer (49,7 Prozent). Im formellen Bereich sind die meisten Freiwilligen in den Bereichen Sport und Bewegung (rund 517.000 Personen), Katastrophen- und Rettungshilfsdienst (ca. 435.000), Kunst, Kultur und Unterhaltung (ca. 399.000) sowie Soziales und Gesundheit (ca. 269.000) aktiv. Die Aufgabenverteilung in der formellen Freiwilligentätigkeit zeigt deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Männer übernehmen häufiger Leitungs- und Führungsaufgaben (68,6 Prozent) und sind stärker im Bereich der Interessensvertretung und Mitsprache aktiv (64,8 Prozent). Frauen engagieren sich hingegen verhältnismäßig oft in der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit (56,8 Prozent), in der Anleitung von Gruppen und der pädagogischen Betreuung (54,4 Prozent) sowie in der Organisation und Durchführung von (Hilfs-)Projekten.
Je kleiner die Gemeinde, desto mehr Freiwillige
Freiwilligenarbeit in Vereinen und Organisationen ist im ländlichen Raum stärker verbreitet: Zwei Drittel der Freiwilligen leben in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Im informellen Bereich sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land weniger ausgeprägt. Insgesamt gilt: Je kleiner die Gemeinde, desto mehr sind die Einwohner freiwillig tätig – bei Gemeinden mit weniger als 2.500 Einwohnern sind es 54 Prozent, bei Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern nur noch 43,6 Prozent. Im Bundesländervergleich gibt es die höchste Beteiligung im Freiwilligensektor mit 52,3 Prozent in Niederösterreich, gefolgt von 51,6 Prozent in Niederösterreich und 51,2 Prozent in Vorarlberg. Laut Statistik weisen die Bundesländer Kärnten mit 43,3, Salzburg mit 42,9 und Wien mit 42,4 Prozent eine tendenziell niedrige Beteiligung auf.
Die Beteiligung ist in allen Altersgruppen hoch: Bei den Unter-30-Jährigen liegt sie bei 50,4 Prozent, in der Altersgruppe 30 bis 39 Jahre bei 50,8 Prozent und bei den 40- bis 49-Jährigen bei 52,6 Prozent. Am höchsten ist die Quote mit 53,1 Prozent bei den 50- bis 59-Jährigen. Danach sinkt sie auf 47,8 Prozent (60-69 Jahre), 40 Prozent (70-79 Jahre) und 24,2 Prozent bei den Über-80-Jährigen. Auch der Bildungsgrad spielt eine Rolle: 56,3 Prozent der Maturanten und 63,7 Prozent der Universitätsabsolventen engagieren sich freiwillig, bei Personen mit Lehrabschluss sind es 46,3 Prozent.
(Quelle: APA, Statistik Austria)