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Zeitpolster als kostenlose Altersvorsorge

4.12.2017 – Durch Hilfe für andere sich selbst helfen, ist die einfache Devise von Zeitpolster. So einfach die Erklärung, so groß die Wirkung. Mit diesem System können Menschen für die Zeit, in der sie selbst Betreuung brauchen, vorsorgen. Nun startet Zeitpolster in ganz Österreich und jeder kann mitmachen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind 75 und würden schön langsam Hilfe bei ganz normalen Alltagstätigkeiten wie Einkaufen, Spazieren gehen oder im Haushalt brauchen. Die Kinder wohnen zu weit weg und auch sonst ist niemand in der Nähe, der Ihnen zur Hand geht. Eine traurige Vorstellung. Natürlich könnte man, wenn man eine gute Pension hat, Personen beschäftigen, um hierbei zu helfen. Eine andere Idee ist Zeitpolster.

Sich selbst und anderen helfen

... ältere Menschen bei Alltagstätigkeiten wie Glühbirnen auszutauschen, Einkaufen zu gehen oder im Garten zu helfen, zu unterstützen. ©Zeitpolster
… ältere Menschen bei Alltagstätigkeiten wie Glühbirnen auszutauschen, Einkaufen zu gehen oder im Garten zu helfen, zu unterstützen. ©Zeitpolster

Bei Zeitpolster geht es darum, als gesunder Mensch jenen zu helfen, die Hilfe brauchen und dabei Zeitguthaben für die Zeit zu sammeln, in der man selbst Hilfe braucht. Ausgedacht hat sich diese simple wie geniale Idee Gernot Jochum-Müller. Mit seiner Genossenschaft Allmenda, mit der er auch viele andere nachhaltige Projekte wie Regionalwährungen, das „Fachl“, grüne Mobilität oder Crowd Finanzierungen durchführt, tüftelt er seit einigen Jahren am richtigen System und konnte sogar mit den Sozialversicherungen einen Vertrag abschließen, damit die Helfer/innen auch unfallversichert sind. In St. Gallen in der Schweiz wird Zeitpolster mit Erfolg seit 2014 umgesetzt.

Pilotgemeinde St. Gallen entpuppt sich zum Erfolgsmodell

„Das ist ein absolutes Vorzeigeprojekt. Die Stadt hat dafür eine eigene Stiftung gegründet und die Sozialverbände eingeladen, dabei mitzutun. Es zeigte sich, dass sich dafür auch Menschengruppen gewinnen lassen, die normalerweise nicht ehrenamtlich aktiv sind. Was auch bemerkenswert ist, ist, dass bei dem Zeitpolster-Pilotprojekt auch Männer gewonnen werden konnten. Normalerweise sind in der Pflege ja eher Frauen aktiv. In der Stadt St. Gallen gibt es mittlerweile 180 Helfer für 85 Personen, die Hilfe brauchen. Alleine 2016 wurden 8.850 freiwillige Stunden geleistet. Das ist ein unglaublicher Erfolg“, freut sich Allmenda-Vorstand und -Geschäftsführer Gernot Jochum-Müller.

Dabei baut die helfende Person ein Zeitpolster auf, mit dem sie später selbst Hilfe in Anspruch nehmen kann, ohne dafür Geld zu zahlen. ©Zeitpolster
Dabei baut die helfende Person ein Zeitpolster auf, mit dem sie später selbst Hilfe in Anspruch nehmen kann, ohne dafür Geld zu zahlen. ©Zeitpolster

Trägerorganisation in Österreich gegründet

Nun kann das Projekt auf ganz Österreich ausgerollt werden. Keine Gemeinde muss dafür mehr eine Stiftung gründen, da die Plattform für die Abwicklung die Trägerorganisation „Zeitpolster GmbH“ übernimmt. Es müssen sich lediglich fünf Personen einer Gemeinde oder Region finden, die mit Zeitpolster starten wollen. Allmenda stellt das nötige Fachwissen, Technik und Kommunikationsmittel zur Verfügung, damit sich die Gruppe auf die eigentliche Aufgabe, die Betreuung, konzentrieren kann.

Absicherung für die Zukunft

„Den Gruppen kommt eine besondere Bedeutung zu. Ohne ihre Existenz kann das System nicht funktionieren. Daher ist eine wesentliche Aufgabe einer Gruppe Jahr für Jahr neue Mitglieder zu inkludieren, denn nur so kann die Betreuung dauerhaft gewährleistet werden“, betont Jochum-Müller. Dennoch wird auch für den Fall vorgesorgt, dass es für die jetzt Helfenden später keine Freiwilligen gibt, die sie betreuen.

Das Projekt startet 2018 - jede und jeder kann sich dafür melden. ©Zeitpolster
Das Projekt startet 2018 – jede und jeder kann sich dafür melden. ©Zeitpolster

„Wer jetzt noch kein Zeitguthaben hat, kann Gutscheine kaufen. Eine Arbeitsstunde wird mit acht Euro bewertet. Davon wird die Hälfte für Organisation, Kommunikation und Personal bei der Zeitpolster GmbH einbehalten und die andere Hälfte in ein Notfallkonto einbezahlt. Damit kann Zeitpolster zumindest anteilig Menschen unterstützen, die Zeitguthaben geleistet haben und nun selbst Hilfe brauchen“, erklärt der Vorarlberger.

Öffentliche Hand als Unterstützer

Die Rolle der öffentlichen Hand ist dabei in erster Linie eine unterstützende. „Manche Gemeinden sagen, dass sie ohnehin einen sozialen Dienst haben und wollen das Projekt dort ansiedeln. Sie stellen dann eine Angestellte für zehn Wochenstunden für das Zusammenbringen von Helfern und Betreuung-Suchenden bereit. Andere wiederum beteiligen sich an der Sicherung der Versorgung, indem sie beispielsweise garantieren, die anderen vier Euro für eine bezahlte Betreuung bereitzustellen, wenn es später keine Zeitpolster-Gruppe in der eigenen Gemeinde mehr gibt.“ Beteiligen können sich aber auch Pfarren, Vereine oder andere Gruppierungen. In Wien wird das Projekt von der Stat gefördert und im Jänner 2018 gestartet. Dann wird aktiv in den Bezirken nach Freiwilligen für die Startgruppe gesucht.

Gemeinden können dabei unterstützend aktiv werden. ©Zeitpolster
Gemeinden können dabei unterstützend aktiv werden. ©Zeitpolster

Betreuung vom Geld unabhängig machen

Melden können sich aber nur Menschen mit einwandfreier Strafregisterbescheinigung, um auch die Qualitätskriterien sicher zu stellen. Pflegeausbildung braucht man keine, da es sich bei der Betreuung um Alltagstätigkeiten handelt. Wieso glaubt Jochum-Müller dann an einen wichtigen Beitrag zur Pflegedebatte? „Weil wir derzeit Situationen haben, in denen Leistungen nicht erbracht werden können, weil die Kosten zu groß sind. Wir haben Personen, die wir durch die hohen Kosten von Betreuung und Pflege gar nicht erreichen. In diesem Netzwerk, das durch Zeitpolster entsteht, darf man um Hilfe fragen. Wir sehen im nachbarschaftlichen Ansatz eine gute Möglichkeit, dass um Hilfe gefragt wird. Und vor allem: Die Betreuung hängt durch den Zeitpolster nicht mehr von Geld ab. Darum geht es doch und das wird vor allem die Sozialhilfeverbände entlasten.“

Jeder kann sich melden

Ab Jänner können sich nicht nur in Wien Gruppen bilden. „Wir sammeln im Moment die Interessierten in ganz Österreich, damit wir im Jänner die ersten Gruppen bilden können. Jeder kann sich eintragen. Und wenn in einer Region ein paar Leute zusammenkommen, dann werden wir die einladen und schauen, ob sie eine Gruppe starten können“, so der Initiator. Das Projekt sorgte auch schon auf österreichweiter Bühne für Aufsehen. In der ORF-Sendung „Österreich kann“ wurde das Projekt aus 250 als eines der zehn tollsten ausgewählt und am Nationalfeiertag vorgestellt.

Gernot Jochum-Müller entwickelt beruflich nachhaltige Gesellschaftsmodelle für die Zukunft. (Bild: ZVG)
Gernot Jochum-Müller entwickelt beruflich nachhaltige Gesellschaftsmodelle für die Zukunft. (Bild: ZVG)

Weitere Informationen

Für alle Fragen gibt es eine sehr ausführliche Homepage (Link im Kasten links). Fragen können aber auch im persönlichen Gespräch mit Gernot Jochum-Müller geklärt werden:

Gernot Jochum-Müller
Tel.: +43 (0)664 3456892
E-Mail: info(at)zeitpolster.com

 

 

(Mag. Carina Rumpold)




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