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Hans Ferlitsch tritt in den Ruhestand

3.7.2017 – Mit Hans Ferlitsch geht einer der ganz großen der Kommunalpolitik. Er hat nicht nur die Entwicklung seiner eigenen Gemeinde St. Stefan im Gailtal, sondern auch jene aller Gemeinden als Präsident des Kärntner Gemeindeverbandes wesentlich mitgetragen. „Ich habe meinen Beitrag für die Gemeinschaft geleistet und möchte nun meinen Beitrag für meine Familie leisten“, umschreibt der 71-jährige Hans Ferlitsch die Beweggründe für seine Entscheidung, sein Amt als Bürgermeister der Kärntner Gemeinde St. Stefan im Gailtal zurückzulegen.

32 Jahre lang Bürgermeister

Hans Ferlitsch‘ kommunale Karriere begann vor 44 Jahren als Vizebürgermeister, 1985 folgte die Wahl zum Bürgermeister. Mit 32 Jahren Amtszeit war er unter den dienstältesten Bürgermeistern an vierter Stelle. Neben seiner jahrzehntelangen Tätigkeit in der Kommunalpolitik war er auch auf Landes- und Bundesebene erfolgreich.

Von 1993 bis 1994 war er Mitglied des Bundesrates, eine Zeit, auf die er mit guten Erinnerungen zurückblickt: „Das waren meine ersten Erfahrungen auf der Bundesebene und gleichzeitig mein Einstieg in den Weitblick im politischen Leben.“ Nach dem einjährigen Ausflug in den Bundesrat wurde er in den Kärntner Landtag geholt, wo er insgesamt 15 Jahre tätig sein sollte. Sein Einsatz wurde mit dem Aufstieg zum Zweiten Präsidenten des Kärntner Landtag honoriert. Diese Tätigkeit übte er bis zu seinem Ausstieg aus dem Landtag 2009 aus.

Doch sein Engagement in der Landespolitik sollte ihn nicht daran hindern, auch für die Gemeinden weiter stark mitzumischen. Zwei Jahre nach seinem Einstieg in den Landtag, 1996, wurde er Präsident des Kärntner Gemeindebundes. Diese Funktion übte er bis 2011 – 15 Jahre lang – aus. Aus dieser Zeit nimmt er viele schöne Erlebnisse und Begegnungen mit, wie Ferlitsch im Gespräche mit Kommunalnet erzählt: „Ich habe die Gemeindebund-Präsidenten Reiter, Romeder, Mödlhammer und Riedl noch persönlich erleben dürfen und auch mit den Generalsekretären Hink und Leiss habe ich stets eine gute Zusammenarbeit gepflegt. Bereichernd war auch der Austausch mit den anderen Landesobmännern.“

Videogruß vom Kanzler zum Abschied

Ob seiner zahlreichen Verdienste – er ist Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich – ist es daher nicht verwunderlich, dass bei seiner letzten Gemeinderatssitzung am 28. Juni 2017 sogar Landeshauptmann Peter Kaiser und Bundeskanzler Christian Kern ihren Dank und ihre besten Wünsche für die Zukunft per Videobotschaft zukommen ließen.

St. Stefan als Gemeinde für Jung und Alt positioniert

Die „Highlights“ der 32 Jahre sind aus seiner Sicht, die Eröffnung des Bildungszentrums und des Wohn- und Pflegeheims: „Ich wollte mich vom jungen bis zum ältesten – einfach um alle Gemeindebürger kümmern und das ist mir mit diesen beiden Projekten gelungen. Besonders freue ich mich im Rückblick aber auch über die Eröffnung der Tagesstätte für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.“

Die 32 Jahre waren aber auch von zahlreichen Herausforderungen gekennzeichnet: „Am schlimmsten war das Hochwasser 2003. Gleichzeitig habe ich auch gesehen, dass in der Not die Menschen sehr zusammenhalten. Daher war es mir immer wichtig, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es keiner Katastrophe bedürfen soll, damit wir uns gegenseitig helfen.“ Um seine Bürger vor zukünftigen Hochwassern zu schützen, hat er sich um einen Hochwasserschutz bemüht, der bis 2020 in der Höhe von 500 Millionen Euro auch umgesetzt werden soll.

„Wenn man viel arbeitet, fallen auch Späne“

„Natürlich gab es auch in meiner Karriere Punkte, an denen man überlegt, ob es das noch wert ist, aber wenn einer viel arbeitet, dann fallen auch Späne. Aber ich habe immer trotz absoluter Mehrheiten versucht, alle politischen Träger einzubeziehen und einstimmige Beschlüsse zustande zu bringen. Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt. Das war immer meine oberste Devise. Man soll auch nicht an dem herumknabbern, wie etwas nicht geht, sondern wie man etwas im Sinne der Bevölkerung und der Aufgabenstellung erfüllen kann“, so Ferlitsch. Die Kommunalpolitik war rückblickend die schönste Spielwiese für den 71-Jährigen: „Hier kann man die Sachen sofort erledigen. Das bedeutet aber auch, dass man den Leuten direkt „Ja“ oder „Nein“ sagen muss. Das ist manchmal nicht so leicht.“

Nach über vier Jahrzehnten in der Kommunalpolitik und seinen vielen politischen Funktionen – bisher unerwähnt blieb beispielsweise auch sein Einsatz für das Rote Kreuz – wird er sich nun in ruhigere Fahrwasser begeben und die Zeit seiner Ehefrau Elfi, mit der er seit fünf Jahrzehnten verheiratet ist, und seiner Familie widmen. „Ich habe aufgrund meiner politischen Tätigkeit viel bei meinen Kindern versäumt. Das möchte ich nun bei meinen Enkelkindern nachholen“, so Ferlitsch. Wenn ihm dann noch Zeit bleibt, möchte er auch weiterhin jagen gehen, sich um den Garten kümmern und die schöne Natur genießen.




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