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„Frauen bringen andere Themen in die Politik ein“

Die dienstälteste Bürgermeisterin Österreichs, Lisbeth Kern, erklärt, wie man Frauen für die Kommunalpolitik ermutigen kann und warum es nicht schlecht ist, anders wahrgenommen zu werden.

Niederösterreich ist das Bundesland mit dem höchsten Frauenanteil im Bürgermeisteramt, von den insgesamt 573 Gemeinden sind 63 in weiblicher Hand, das entspricht elf Prozent. Österreichweit ist der Anteil allerdings nicht so groß, von den 2.098 Städten und Gemeinden werden nur 160 von Frauen geführt. Diese Quote hat sich in den letzten Jahren zwar mehr als verdreifacht, allerdings von einem niedrigen Ausgangsniveau.

Die anfängliche Skepsis im Ort ist schnell zu großer Akzeptanz geworden. (Bild: ZVG)
Die anfängliche Skepsis im Ort ist schnell zu großer Akzeptanz geworden. (Bild: ZVG)

Im 22. Amtsjahr

Der niederösterreichische Ort Petzenkirchen im Bezirk Melk hat mit Lisbeth Kern nicht nur eine Bürgermeisterin, sondern gleichzeitig auch die dienstältste Ortschefin von Österreich zu bieten. Die 61-Jährige ist seit fast 22 Jahren Bürgermeisterin und bereut den Schritt in die Kommunalpolitik ganz und gar nicht: „Es ist eine schöne Aufgabe, an der man wachsen kann. Ich möchte alle interessierten Frauen dazu ermuntern, diese Herausforderung anzunehmen.“

Kern selbst hat die Gemeindepolitik bereits in jungen Jahren intensiv miterlebt: „Mein Vater war 25 Jahre Bürgermeister in Petzenkirchen. Seine Tätigkeit hat mich immer sehr beeindruckt und interessiert.“

Kern will den Frauentanteil im Gemeinderat erhöhen und Frauen von der Kommunalpolitik überzeugen. (Bild: ZVG)
Kern will den Frauentanteil im Gemeinderat erhöhen und Frauen von der Kommunalpolitik überzeugen. (Bild: ZVG)

Startschwierigkeiten

Besonders am Anfang ihrer politischen Karriere hatte es die Mutter eines Sohnes allerdings nicht immer leicht, schließlich war und ist sie die erste Bürgermeisterin in Petzenkirchen. „Natürlich war das für manche Menschen am Anfang gewöhnungsbedürftig, eine gewisse Skepsis war da schon vorhanden. Die Leute haben jedoch sehr bald gespürt, dass mir die Menschen und Lebensqualität in unserer Gemeinde ein großes Anliegen sind und die Vorbehalte wurden rasch abgelegt“, sagt Kern über ihre Akzeptanz im Ort.

Anders ist nicht gleich schlimmer

Dass sie anders wahrgenommen wird als ihre männlichen Kollegen findet Lisbeth Kern überraschenderweise nicht schlimm: „Unser gesamtes Auftreten wird anders bewertet. Das muss aber nicht zwangsläufig negativ besetzt sein, ich verbinde damit durchaus positive Erfahrungen.“

Fehlende Rahmenbedingungen

Trotzdem hält es die Bürgermeisterin für problematisch, dass die Kommunalpolitik noch immer großteils Männersache ist: „Ich denke, es fehlt nach wie vor an gezielter Ansprache von Frauen. Sie müssen stärker dazu ermutigt und eingeladen werden, an ihre persönlichen Kompetenzen zu glauben und darauf zu vertrauen, dass sie fähig sind, Gemeindepolitik aktiv mitzugestalten.“

Um Frauen dabei zu unterstützen ist Kern die Erhöhung des Frauenanteils im Gemeinderat ein besonderes Anliegen: „Frauen bringen andere Themen und Fragen in die Politik ein. Außerdem verbringen sie mehr Zeit in der Gemeinde, weil sie noch immer einen Großteil der Familienleistungen übernehmen.“




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