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“Dorfservice”: Erfolgsprojekt Nachbarschaftshilfe

11.5.2017 – Bei älteren Menschen ist oft ist das nahe Umfeld gefragt. Fällt diese Hilfe aus oder bedarf es zusätzlicher, greift im Bezirk Spittal an der Drau eine der etwa 145 Ehrenamtlichen vom Verein Dorfservice stützend unter die Arme. Vor zehn Jahren angelaufen, ist der Verein heute ein Erfolg und bereits Vorbild für andere Bundesländer.

Früher kam die sogenannte Dorfhelferin zu den Höfen, wenn Not am Mann oder der Frau bestand. Diese gibt es aber nicht mehr. „Heute fahren die Menschen weg zum Arbeiten, die ältere Generation bleibt allein Zuhause und ist mit fehlender Mobilität konfrontiert. Aus dem Nichts heraus haben wir begonnen in einem kleinen Team zu schauen, was es braucht, was die Brücke ist, die die Lücke im sozialen Netz schließen kann“, so die Gründerin von „Dorfservice“ Eva Altenmarkter.

Das Gute vermitteln

Bevor der gemeinnützige Verein in vier Pilotgemeinden 2007 starten konnte, musste erstmal den Gemeinden vermittelt werden, worum es geht. „Wir hatten das Ganze durchdacht, aber die anderen mussten es erst einmal nachvollziehen können. Es geht dabei nicht um Zahlen, sondern wie Dienstleistungen geschenkt und die Menschen wiederum beschenkt werden“, erklärt Altenmarkter.

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(Bild: ZVG)
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst“, lautet in Anlehnung an Gandhi das Motto von Eva Altenmarkter, Gründerin von „Dorfservice“.

Worum es geht

Seit nunmehr zehn Jahren bietet Dorfservice in zwischenzeitlich 15 Kärntner Gemeinden Fahrt- und Begleitdienste, die am häufigsten in Anspruch genommen werden, Besuchs-, Einkaufs sowie kleine Hilfstätigkeiten im Haus an. Pflege- und Haushaltsdienste werden hingegen nicht bereitgestellt.

Vor allem geht es darum, das familiäre Umfeld der Betroffenen zu entlasten beziehungsweise tatkräftig zur Seite zu stehen, wenn erst gar keine Verwandtschaft in der näheren Umgebung verortet ist. So erinnert sich Ulrike Kofler an einen besonderen Moment in ihrer Arbeit als Geschäftsführerin zurück.

„In der Verwaltung habe ich nicht direkt mit den eigentlichen sozialen Dienstleistungen zu tun. Dennoch landete einmal ein Anruf einer Klientin bei mir. Eine ältere Dame mit zittriger Stimme war am Apparat und erzählte, sie müsse nächste Woche drei Mal zum Arzt. Die Tochter sei nicht da und sie bräuchte deshalb dringend unsere Hilfe. Dieser Moment war so erfreulich und erfrischend in meiner Tätigkeit, weil die Dame so glücklich war, dass es Dorfservice gibt. Sie wusste nicht, was sie ohne unser Service getan hätte.“

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(Bild: ZVG)
2016 beteiligte sich das Sozialministerium noch. Diese Budgetlücke steht dieses Jahr offen.

Ehrenamt trifft auf professionelle Organisation

Die Koordination dieses als auch aller anderen Einsätze übernimmt eine fest angestellte Dorfservice-Mitarbeiterin. „Wir haben derzeit acht hauptamtliche Mitarbeiterinnen in Teilzeit. Die Dorfservice-Mitarbeiterin betreut ein bis vier Gemeinden direkt von einer der Ortschaften aus. Der professionelle Rahmen ist notwendig, da es sonst ein Problem bezüglich Abgrenzung und Haftung gäbe“, erklärt Kofler.

Für die Dienstleistungen selbst hingegen zeichnen sich Ehrenamtliche verantwortlich. Aufgrund dessen, dass es sich um kein Angestelltenverhältnis handelt, ist Freiwilligkeit besonders wichtig. Es wird lediglich grob festgelegt, wie viele Stunden beziehungsweise welche Tage sie zur Verfügung stehen und welche Dienste die ehrenamtlichen Mitarbeiter gerne übernehmen möchten. Die Freiwilligen erhalten im Gegenzug Kilometergeld rückerstattet, Versicherungsschutz, bei Bedarf Subventionen als auch regelmäßige Weiterbildungen (etwa regelmäßige Fahrsicherheitstrainings, Umgang mit Demenz, Babysitterkurse). „Dorfservice“ vereint also Ehrenamt mit einem professionellen Rahmen.

Kooperationsvertrag und Jahresbeitrag

Die Finanzierung dafür erfolgt über das Land Kärnten, das als Hauptfördergeber auftritt, die EU, Partner aus der Wirtschaft und private Spenden. Auch das Sozialministerium beteiligte sich bis 2016. Die involvierten Gemeinden müssen zudem einen jährlichen Beitrag (6.500 Euro in Kärnten) leisten. Weiters wird zu Beginn ein Kooperationsvertrag mit „Dorfservice“ unterzeichnet, in dem sicher gestellt wird, dass die betroffene Gemeinde bestmöglichst mitarbeitet.

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(Bild: ZVG)
„Der Begriff Sozialkapital ist der Schlüssel: Es werden nachhaltige Beziehungen durch Dorfservice gebildet“, so die Geschäftsführerin Ulrike Kofler (3.v.l.).

Gemeinden als unabdingbare Partner

Hauptsächlich bietet die Gemeinde letztlich die notwendigen Strukturen und ist an der Bildung einer Gruppe von Freiwilligen beteiligt: „Die Dorfservice-Mitarbeiterin hält ein Mal wöchentlich einen Sprechtag. Dafür stellt die jeweilige Ortschaft einen Raum und zusätzlich die Infrastruktur für Treffen der Gruppe zur Verfügung. Gleichzeitig verweist die Gemeinde auf Dorfservice, bewirbt es sozusagen“, führt Kofler aus.

„Bei uns wurde Dorfservice damals über das Gemeinderundschreiben bekannt gemacht. Außerdem organisierten wir eine Veranstaltung, damit die Menschen merken, es gibt hier eine gewisse Dynamik, es tut sich etwas. Zwischenzeitlich ist das Ganze selbsterhaltend“, bestätigt der Bürgermeister von Berg Ferdinand Hueter.

„Dorfservice zahlt sich zu 100 Prozent aus“

Davon, dass das Projekt funktionieren würde, war Hueter von Beginn an überzeugt: „Natürlich gab es anfänglich Diskussionen. Aber Dorfservice zahlt sich zu 100 Prozent aus. Es stellt einerseits eine Leistung für die ältere Bevölkerung und gleichzeitig für den Ort dar – es ist eine Kostenreduktion, öffentliches Geld kann damit gespart werden.“

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(Bild: ZVG)
Jede Gruppe innerhalb der Struktur ist für den Erfolg mitverantwortlich.

Auch andere Bundesländer wollen Dorfservice

Der Erfolg von „Dorfservice“ zeichnet sich nicht nur durch die rund 5.000 Einsätze für 500 Klienten im Jahr 2016 ab, ebenso wird jener durch die Verleihung von Preisen und Auszeichnungen bestärkt. Folglich wurden andere Bundesländer auf das Projekt aufmerksam und 2014 hat sich das Burgenland das Kärntner Modell zum Vorbild genommen.

Neun burgenländische Gemeinden beteiligen sich inzwischen. Eine der ersten war Unterfrauenhaid. „Wir wollten den Bürgern der Ortschaft ein Service anbieten, durch das sie länger Zuhause bleiben können, anstatt sie ins Pflegeheim abzudelegieren. Das Projekt haben wir uns von Kärnten abgeschaut und waren diesbezüglich bei einer Veranstaltung. Der gegenseitige Austausch besteht bis heute“, berichtet der dortige Bürgermeister Friedrich Kreisits.

„Eine Hürde stellte natürlich die Bereitstellung der notwendigen finanziellen Mittel dar und auch, Ehrenamtliche dafür zu gewinnen. Als Bürgermeister habe ich einen Beitrag für das monatliche Rundschreiben verfasst und die hauptberufliche Mitarbeiterin in Bürgerversammlungen vorgestellt“, erläutert Kreisits. Vergleichbar sind ebenso die Angebote und auch die Begeisterung ist die Gleiche. „Ich kann das Projekt allen Gemeinden empfehlen. Es ist überparteilich und der Einsatz erfolgt für alle Menschen im Dorf“, gibt sich der Bürgermeister von Unterfrauenhaid begeistert.

Die Zeit ist reif

Wohin die Wege in Zukunft führen, soll noch geklärt werden. Ausbaupotential gibt es aber, ist die Gründerin überzeugt: „Jetzt kommen die Gemeinden auf uns zu und möchten mitmachen. Die Zeit ist reif, damit sich das Konzept hinaus entwickelt. Die Menschen haben verstanden, dass Dorfservice eine tragfähige Struktur ist. Für Gemeinden ist wichtig, dass sie geschlossen hinter dem Projekt stehen und eine Überzeugung darin steckt.“




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