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25.000 Euro EU-Förderung für Ebensee

30.1.2018 – Städtepartnerschaften sind ein wichtiger Bestandteil bei der Weiterentwicklung von Gemeinden. Deshalb gibt es auch EU-Förderungen für größere Projekte. Ebensee in Oberösterreich hat das Förderansuchen hinter sich und kann nun ein Projekt umsetzen.

Gegenseitige Begegnungen bei Städtepartnerschaften dienen nicht nur dem Zusammenwachsen Europas, sondern sind auch eine beliebte Abwechslung und Horizonterweiterung in Gemeinden. Deshalb können Kommunen im Rahmen des Programms „Europa für Bürger und Bürgerinnen“ um finanzielle Förderungen für diese Treffen ansuchen. Die oberösterreichische Gemeinde Ebensee am Traunsee versuchte ihr Glück mit dem Projekt „Gib dem Frieden dein Gesicht – Jugend für Miteinander und Solidarität in Europa“ und überzeugte.

Dabei geht es um die aktive Arbeit und das Engagement für ein friedliches, gemeinschaftliches und tolerantes Europa. Vor allem die Jugend soll für die europäische Friedensidee gewonnen werden und mit eigenen Ideen und Vorstellungen dazu beitragen. Ziel ist es, neue Wege des Miteinanders zu finden. Der Weg zur Förderung war bereits mit sehr viel ehrenamtlicher Arbeit verbunden und zeigt den Ehrgeiz der Ebenseer.

Im Rahmen der Städtepartnerschaft Ebensees soll vor allem die Vergangenheit, nämlich die Geschichte der 395 Italiener, die im Zweiten Weltkrieg im KZ Ebensee ums Leben kamen, verarbeitet und die Jugend sensibilisiert werden. ©Tourismusbüro Ebensee
Im Rahmen der Städtepartnerschaft Ebensees soll vor allem die Vergangenheit, nämlich die Geschichte der 395 Italiener, die im Zweiten Weltkrieg im KZ Ebensee ums Leben kamen, verarbeitet und die Jugend sensibilisiert werden. ©Tourismusbüro Ebensee

Workshops als Hilfe für die Antragstellung

Um an die EU-Förderungen zu kommen, müssen Gemeinden und Vereine nämlich einiges an Zeit investieren, denn Ansuchen wurden schon wegen Formalfehlern abgelehnt. Damit das in Ebensee nicht passiert, besuchten die Projektverantwortlichen einen kostenlosen Workshop, den der Europa for Citizens Point – die abwickelnde Stelle im Bundeskanzleramt – anbietet. „Um den Ablauf der Antragstellung und den Antrag selbst zu verstehen, sind die Workshops wirklich hilfreich“, so Claudia Gaigg, die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Ebensee.

Es ist vor allem nicht einfach, alle Anliegen und Vorhaben in komprimierter Form bei der Einreichung verständlich und deutlich zu machen. „Hier muss man bei einem so umfangreichen Vorhaben wie unserem teilweise um jedes Wort und jeden Artikel ringen“, erzählt Gaigg. Doch selbst davon ließen sich die Ebenseer nicht abschrecken, erreichten ihr Ziel durch ehrenamtliche Arbeit und profitieren nun. Die ausgeschriebene Förderung für den Städtepartnerschaftsverein Ebensee beträgt 25.000 Euro.

Roberto Castellani, Gründungsfigur der Städtepartnerschaft

Das große Projekt der 7.710-Einwohner Gemeinde, in das die Förderung fließt, gründet in einer bereits über 30 Jahre bestehenden Partnerschaft mit der italienischen Stadt Prato. Der Ursprung für diesen Zusammenschluss liegt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im März 1944 wurden nämlich um die 950 Italiener ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert und von dort nach Ebensee zum Bau von Stollenanlagen gebracht. Wegen der grausamen Bedingungen kamen 395 Italiener im KZ Ebensee zu Tode.

In Folge besuchten schon 1948 Überlebende den KZ-Friedhof Ebensee. Dorval Vanini und Roberto Castellani gehörten zu denjenigen, die im Zuge von Erinnerungsfahrten (pelerinaggi) nach Mauthausen und Ebensee zurückkehrten. Ihre Idee einer Städtepartnerschaft stellten sie unter das Motiv der Friedens- und Versöhnungsarbeit. Um die Vergangenheitsbewältigung auf lokaler Ebene umzusetzen, kam es dann in der Amtszeit des Ebenseer Bürgermeisters Rudolf Graf zur Gründung der Städtepartnerschaft zwischen Prato und Ebensee.

Beteiligung der gesamten Gemeinde

Neben diesem Zusammenschluss besteht außerdem ein Freundschaftsvertrag zwischen Ebensee und der polnischen Stadt Zawiercie. Ein freundschaftliches Verhältnis verbindet die oberösterreichische Gemeinde außerdem mit der deutschen Stadt Wangen, die ebenfalls eine aktive Partnerschaft mit Prato pflegt. Der Städtepartnerschaftsverein Ebensee wurde aus organisatorischen Gründen, fünf Jahre nach dem Abschluss der offiziellen Städtepartnerschaft zwischen Prato und Ebensee, am 25. Mai 1992, ins Leben gerufen.

Der Hintergrund hierfür liegt darin, dass versucht wurde, die Beziehungen zwischen Prato und Ebensee, fernab jeder zukünftigen politischen Konstellation, zu gewährleisten. Ein weiteres Ziel war es außerdem, einen breiten Raum zu schaffen, um alle Ebenseer in das Projekt miteinbeziehen zu können. Seither finden Aktivitäten wie Schulaustauschprojekte, gemeinsame Ferienaufenthalte der Pfarrjugend sowie Besuche von Orchestern und Sportvereinen statt. So versucht man vor allem die Jugend zu sensibilisieren, damit Gräueltaten in Zukunft keine Chance mehr haben.

„Ein kleiner Puzzlestein für ein Europa der Regionen“

Der Projektantrag aus dem Jahr 2017 im Rahmen des EU-Projekts wurde von Claudia Gaigg und Hans Schilcher, Gemeindevorstand und Vorsitzender des Ausschusses für Jugend, Europaangelegenheiten und Integration, entwickelt und verfasst. Beim Projekt selbst wirken vor allem Jugendliche aus den drei Städten Ebensee, Prato sowie Zawiercie mit. Insgesamt werden die Gemeinden, Pfarren, Vereine sowie die Bevölkerung miteingebunden.

„Wir sehen uns sowohl als Stütze der Erinnerung sowie als kleiner Puzzlestein für ein Europa der Regionen“, so Gaigg. Insgesamt wurde mehr als ein Jahr lang am Projekt gearbeitet und das ehrenamtlich. Momentan laufen die Vorbereitungen für die Projektveranstaltungen, die von 3. bis 7. Mai 2018 in Ebensee stattfinden. „Auch die Zeit danach mit sämtlichen Abrechnungen und Endberichten, um die Fördermittel auch tatsächlich zu erhalten, darf nicht unterschätzt werden“, weiß die Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins.




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